DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Fürth
Fürth & Region 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Sandsteinfassaden für Fürth: Schäden erkennen und richtig sanieren

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fürth besitzt einen der größten zusammenhängenden Bestände an Sandsteinfassaden in Süddeutschland
  • Typische Schadensbilder sind Absandung, Schalenbildung, Salzausblühungen und Frostsprengung
  • Falscher Fugenmörtel (Zement statt Kalk) verursacht die meisten vermeidbaren Folgeschäden
  • Eine Sanierung erfordert spezialisierte Steinmetzbetriebe und sollte vorab durch einen Sachverständigen begleitet werden
  • Denkmalgeschützte Sandsteinfassaden dürfen nicht überputzt, verkleidet oder mit Hydrophobierung behandelt werden, ohne Genehmigung

Sandsteinfassaden für Fürth sind weit mehr als ein architektonisches Detail. Sie prägen ganze Straßenzüge, von der Hornschuchpromenade über die Königswarterstraße bis in die Südstadt. Da rund 90 Prozent der historischen Bausubstanz den Zweiten Weltkrieg überstanden haben, stehen heute tausende Gebäude mit originalem Sandsteinbesatz. Doch Sandstein verwittert. Wer sein Gebäude erhalten will, muss die typischen Schadensbilder kennen und rechtzeitig handeln.

Warum ist Sandstein so anfällig für Verwitterung?

Sandstein ist ein Sedimentgestein mit poröser Struktur. Genau diese Porosität macht ihn anfällig für Wasser, Frost und Salze. Im Gegensatz zu Granit oder Basalt nimmt Sandstein Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm. Bei Frost dehnt sich das eingelagerte Wasser aus und sprengt das Gefüge. Im Sommer trocknet die Oberfläche schneller als das Innere, was zu Spannungen und Schalenbildung führt.

Der in Fürth und der Region verbaute Sandstein stammt überwiegend aus fränkischen Steinbrüchen. Es handelt sich meist um Schilfsandstein oder Burgsandstein, die sich in Härte und Porosität deutlich unterscheiden. Weichere Varianten verwittern schneller, besonders an der Wetterseite. Hinzu kommen Luftschadstoffe, die seit der Industrialisierung die Oberflächen angreifen. Schwefeldioxid bildet mit Feuchtigkeit schweflige Säure, die den Sandstein chemisch zersetzt.

Welche Schäden treten an Sandsteinfassaden typischerweise auf?

Die häufigsten Schadensbilder lassen sich in vier Kategorien einteilen.

Absandung: Die Oberfläche wird rau und körnig. Einzelne Sandkörner lösen sich bei Berührung. Dieses Schadensbild tritt flächig auf und schreitet ohne Behandlung kontinuierlich fort. Besonders betroffen sind exponierte Flächen an der West- und Nordseite.

Schalenbildung und Abplatzungen: Dünne Schalen lösen sich von der Steinoberfläche ab, oft in Platten von wenigen Millimetern Stärke. Die Ursache liegt in unterschiedlichen Feuchte- und Temperaturspannungen zwischen Kern und Oberfläche. An Gesimsen, Fensterbänken und Sockelzonen ist dieses Schadensbild besonders häufig.

Salzausblühungen: Weiße kristalline Ablagerungen an der Oberfläche zeigen an, dass Salze im Stein gelöst sind und beim Trocknen auskristallisieren. Die Kristallisation erzeugt Druck im Porengefüge und zerstört den Stein von innen. Quellen für die Salze sind Streusalz am Sockel, aufsteigende Bodenfeuchte mit gelösten Mineralien oder zementhaltiger Fugenmörtel.

Frostsprengung: Abgeplatzte Kanten, aufgerissene Fugen und tiefe Ausbrüche entstehen durch wiederholte Frost-Tau-Wechsel. Fürths Klima mit feuchten Wintern und häufigem Wechsel um den Gefrierpunkt begünstigt diesen Mechanismus. Besonders gefährdet sind horizontale Flächen wie Gesimse und Sohlbänke, auf denen sich Wasser sammelt.

Auf unserer Seite zu Bauschäden erfahren Sie, wie wir Fassadenschäden systematisch dokumentieren und bewerten.

Was richtet falscher Fugenmörtel an?

Die mit Abstand häufigste Ursache für vermeidbare Sandsteinschäden ist die Verwendung von Zementmörtel in den Fugen. Zement ist härter und dichter als Sandstein. Das bedeutet: Feuchtigkeit, die durch den Stein eindringt, kann nicht mehr über die Fugen entweichen. Sie staut sich im Stein und verdampft an der Steinoberfläche. Dort hinterlässt sie Salze und verursacht Abplatzungen.

Richtig ist die Verfugung mit Kalkmörtel, der weicher und diffusionsoffener ist als der umgebende Stein. Die Fuge soll die Schwachstelle sein, nicht der Stein. Bei historischen Gebäuden für Fürth wurde dies jahrhundertelang so gehandhabt. Erst in der Nachkriegszeit wurde Zementmörtel als vermeintlich haltbarer Ersatz populär, mit fatalen Folgen.

Wenn Sie Zementfugen an Ihrem Sandsteingebäude bemerken, sollten Sie diese durch einen Fachbetrieb entfernen und durch Kalkmörtel ersetzen lassen. Vorher empfiehlt sich eine Begutachtung, um das Ausmaß der bereits eingetretenen Schäden festzustellen. Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Einschätzung.

Wie läuft eine fachgerechte Sandsteinsanierung ab?

Eine Sanierung beginnt immer mit der Bestandsaufnahme. Ein Sachverständiger dokumentiert die Schadensbilder, identifiziert die Ursachen und erstellt ein Sanierungskonzept. Erst danach wird ausgeführt.

Reinigung: Verschmutzte und verkrustete Oberflächen werden schonend gereinigt, in der Regel mit Niederdruck-Strahlverfahren oder Kompressen. Hochdruckreiniger sind bei Sandstein verboten, da sie die Oberfläche zerstören.

Steinaustausch und Vierungen: Stark geschädigte Bereiche werden herausgearbeitet und durch passenden Sandstein ersetzt. Diese sogenannten Vierungen müssen in Gesteinsart, Farbe und Struktur zum Bestand passen. Das erfordert Erfahrung und Zugang zu passenden Steinbrüchen.

Antragungen: Kleinere Fehlstellen lassen sich mit mineralischen Restaurierungsmörteln auffüllen. Der Mörtel wird farblich an den Bestand angepasst. Diese Technik ist günstiger als ein Steinaustausch, kommt aber nur bei oberflächlichen Schäden infrage.

Neuverfugung: Schadhafte Fugen werden bis zur doppelten Fugenbreite ausgekratzt und mit hydraulischem Kalkmörtel neu verfugt. Die Fugenfarbe wird an den Bestand angepasst.

Hydrophobierung: Eine wasserabweisende Imprägnierung kann die Wasseraufnahme reduzieren, ohne die Dampfdiffusion zu behindern. Allerdings ist sie bei denkmalgeschützten Fassaden nicht immer genehmigungsfähig und muss regelmäßig erneuert werden. Zudem kann sie bei bereits durchfeuchtetem Mauerwerk kontraproduktiv wirken, weil sie die Austrocknung behindert.

Weitere Informationen zur Begleitung von Sanierungsmaßnahmen finden Sie auf unserer Seite zur Sanierungsberatung.

Welche Besonderheiten gelten für Sandsteinfassaden für Fürth?

Fürth gilt als Stadt des Historismus. Die Gründerzeit-Ensembles aus den Jahren 1883 bis 1904 zeigen Sandsteinfassaden in einer Vielfalt und Qualität, die im süddeutschen Raum selten ist. Erker, Gesimse, Pilaster, Fensterrahmungen und Ornamente wurden aus dem regionalen Sandstein gearbeitet.

Diese Detailfreude hat eine Kehrseite: Jedes Ornament, jedes Gesims und jeder Erker bietet Angriffsfläche für Verwitterung. Horizontale Flächen sammeln Wasser, hinterschnittene Profile halten Feuchtigkeit. Je aufwendiger die Fassade gestaltet ist, desto mehr Stellen gibt es, an denen Schäden auftreten können.

In der Südstadt stehen zahlreiche Arbeitermietshäuser mit schlichteren Sandsteinfassaden. Hier konzentrieren sich die Schäden eher auf Sockelzonen und Fensterbänke. Die Hornschuchpromenade dagegen zeigt die gesamte Bandbreite von Ornamentschäden.

Da viele dieser Gebäude unter Denkmalschutz stehen, gelten strenge Vorgaben für die Sanierung. Überputzen, Verkleiden mit Wärmedämmverbundsystemen oder Verblenden mit anderen Materialien ist bei geschützten Fassaden nicht zulässig. Die Sanierung muss materialgerecht erfolgen, also Stein mit Stein.

Was kostet die Sanierung einer Sandsteinfassade?

Die Kosten variieren stark je nach Zustand, Flächengröße und Detailreichtum der Fassade. Eine pauschale Aussage ist daher nicht seriös. Entscheidend sind drei Faktoren: der Umfang der Schäden, die Zugänglichkeit der Fassade (Gerüstkosten) und ob denkmalrechtliche Auflagen bestehen, die bestimmte Materialien oder Verfahren vorschreiben.

Wichtig: Nicht jede Sanierung muss sofort und komplett erfolgen. Ein Sachverständiger kann Prioritäten setzen. Akut gefährdete Bereiche, etwa lose Gesimsteile, die auf den Gehweg fallen könnten, haben Vorrang. Rein optische Mängel können warten. Diese Unterscheidung spart Geld und verhindert, dass dringende Maßnahmen aus Kostengründen aufgeschoben werden.

Mehr zur Kostenstruktur bei Gutachten und Beratung erfahren Sie auf unserer Kostenseite.

Verwandte Themen

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob meine Sandsteinfassade sanierungsbedürftig ist?

Achten Sie auf Absandung (raue, körnige Oberfläche), Abplatzungen, weiße Salzausblühungen, offene oder ausgebrochene Fugen und lose Bauteile. Wenn beim Darüberstreichen Sand rieselt, ist die Verwitterung bereits fortgeschritten.

Kann ich Sandstein selbst sanieren?

Kleinere Ausbesserungen mit Restaurierungsmörtel sind für erfahrene Heimwerker möglich. Steinaustausch, Neuverfugung und die Sanierung von Ornamenten gehören in die Hände eines spezialisierten Steinmetzbetriebs. Bei Denkmalschutz ist ohnehin eine Genehmigung erforderlich.

Schadet ein Hochdruckreiniger dem Sandstein?

Ja, erheblich. Der Hochdruckstrahl trägt die oberste Schicht ab, öffnet Poren und beschleunigt die Verwitterung. Sandstein darf nur mit Niederdruck, Dampf, Kompressen oder mikroabrasiven Verfahren gereinigt werden.

Was tun bei Salzausblühungen?

Zunächst die Ursache klären. Salzausblühungen sind ein Symptom, nicht die Ursache. Mögliche Quellen sind aufsteigende Bodenfeuchte, Streusalz, Zementfugen oder Durchfeuchtung. Erst wenn die Quelle beseitigt ist, lohnt sich eine Oberflächenbehandlung.

Hilft ein Anstrich gegen Verwitterung?

Deckende Anstriche verschließen die Poren und können Feuchteschäden verschlimmern. Mineralische Lasuren auf Silikatbasis sind eine Alternative, sofern sie diffusionsoffen bleiben. Bei Denkmälern muss jede Oberflächenbehandlung genehmigt werden.

Wie oft muss eine Sandsteinfassade saniert werden?

Das hängt von der Gesteinsqualität, der Exposition und der Vorgeschichte ab. Bei gut gepflegten Fassaden können Jahrzehnte zwischen größeren Maßnahmen liegen. Vernachlässigte Fassaden brauchen häufigere und teurere Eingriffe, weil Schäden exponentiell wachsen.

Ist mein Sachverständiger auch für Sandsteinfassaden zuständig?

Ein DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger beurteilt den Zustand der Fassade, identifiziert Schadensursachen und erstellt ein Sanierungskonzept. Die handwerkliche Ausführung übernimmt ein spezialisierter Steinmetzbetrieb.

Sie haben Fragen zu Ihrer Sandsteinfassade oder möchten den Zustand begutachten lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger berät Sie für Fürth und Umgebung.

Fragen zu diesem Thema?

Jörg Aichinger berät Sie persönlich — kostenlos und unverbindlich.

Kostenlos beraten lassen

Frage zu Ihrer Immobilie?

Schildern Sie Ihr Anliegen — Jörg Aichinger meldet sich persönlich mit einer Einschätzung. Kostenlos und unverbindlich.

Anrufen WhatsApp Formular