DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Fürth
Sanierung & Modernisierung 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Fensteraustausch im Altbau: Darauf kommt es an

Das Wichtigste in Kürze:

  • Alte Fenster mit Einfach- oder Zweifachverglasung erreichen U-Werte von 2,5 bis 5,0 W/(m²K). Moderne Fenster liegen bei 0,7 bis 1,1 W/(m²K).
  • Ein Fensteraustausch ohne Anpassung des Lüftungsverhaltens kann zu Schimmelbildung führen, weil die unkontrollierte Lüftung über alte Fensterfalze wegfällt.
  • In Fürth stehen über 2.000 Gebäude unter Denkmalschutz. Der Austausch von Fenstern an denkmalgeschützten Fassaden muss mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden.
  • Der U-Wert des Fensters allein entscheidet nicht. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Fenster, Wand und Lüftung.
  • Ein Sachverständiger kann vor dem Austausch prüfen, ob die Anschlussdetails und das Lüftungskonzept stimmen.

Fensteraustausch im Altbau für Fürth ist mehr als eine Handwerkerleistung. Es ist ein Eingriff in die Gebäudephysik, der bei falscher Planung mehr schadet als nützt. Alte Fenster sind energetisch schwach, das stimmt. Sie lassen kalte Luft herein und Heizwärme hinaus. Aber sie tun noch etwas anderes: Sie sorgen durch ihre Undichtigkeiten für einen permanenten Luftaustausch. Entfällt dieser Luftaustausch durch dicht schließende neue Fenster, bleibt die Feuchtigkeit im Raum und setzt sich an den kältesten Stellen der Wand ab. Das Ergebnis ist Schimmel, genau dort, wo vorher keiner war.

Was sagt der U-Wert über ein Fenster aus?

Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) beschreibt, wie viel Wärme pro Quadratmeter und Stunde durch ein Bauteil hindurchgeht. Je niedriger der Wert, desto besser die Dämmwirkung.

Die Entwicklung bei Fenstern zeigt den Fortschritt deutlich:

  • Einfachverglasung (vor 1970): U-Wert ca. 5,0 W/(m²K)
  • Unbeschichtete Zweifachverglasung (1970er bis 1990er): U-Wert ca. 2,5 bis 3,0 W/(m²K)
  • Beschichtete Zweifachverglasung (ab ca. 1995): U-Wert ca. 1,3 bis 1,6 W/(m²K)
  • Dreifachverglasung mit Edelgasfüllung (aktuell): U-Wert ca. 0,5 bis 0,8 W/(m²K)

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) fordert bei einem Fensteraustausch einen maximalen U-Wert von 1,3 W/(m²K) für das Gesamtfenster (Glas und Rahmen zusammen). Dieser Wert ist mit moderner Zweifachverglasung erreichbar, Dreifachverglasung unterschreitet ihn deutlich.

Aber der U-Wert des Fensters ist nur die halbe Wahrheit. Wenn das neue Fenster einen U-Wert von 0,8 hat und die umgebende Wand einen U-Wert von 1,5, dann ist die Wand plötzlich das kälteste Bauteil. Und genau dort kondensiert die Raumluft. Auf unserer Seite zur Schimmelbegutachtung erfahren Sie, wie Schimmel durch solche bauphysikalischen Zusammenhänge entsteht.

Warum entsteht nach dem Fensteraustausch Schimmel?

Das ist die zentrale Frage, die viele Eigentümer erst stellen, wenn es zu spät ist. Der Mechanismus ist einfach, die Folgen sind es nicht.

Alte Fenster sind undicht. Durch die Spalte an Rahmen und Flügel strömt permanent Außenluft ein. Diese unkontrollierte Lüftung transportiert Feuchtigkeit nach draußen. Die relative Luftfeuchtigkeit im Raum bleibt dadurch auf einem unkritischen Niveau.

Neue Fenster schließen dicht. Der unkontrollierte Luftaustausch fällt weg. Die Feuchtigkeit, die durch Kochen, Duschen, Atmen und Wäschetrocknen entsteht, bleibt im Raum. Die relative Luftfeuchtigkeit steigt. Die feuchte Raumluft kondensiert an der kältesten Stelle, und das ist bei einer ungedämmten Außenwand die Wandoberfläche neben dem Fenster, in den Fensterlaibungen oder an Wärmebrücken (Geschossdeckenanschlüsse, Heizkörpernischen).

Ergebnis: Schimmel genau dort, wo vorher keiner war.

Das Problem ist vermeidbar, aber nur wenn vor dem Fenstereinbau geklärt wird, wie die Lüftung künftig funktioniert. Die Optionen sind:

  • Fensterfalzlüfter: Kleine Lüftungselemente im Fensterrahmen, die einen Mindestluftwechsel sicherstellen
  • Dezentrale Lüftungsgeräte: In die Außenwand eingebaut, mit Wärmerückgewinnung
  • Konsequentes Lüftungsverhalten: Drei- bis viermal täglich Stoßlüften, realistisch betrachtet die unzuverlässigste Variante

Bei ungedämmten Altbauwänden reicht ein Fensteraustausch allein nicht aus. Idealerweise werden Fenster, Wanddämmung und Lüftungskonzept zusammen geplant. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie vor einem Fensteraustausch den bauphysikalischen Ist-Zustand beurteilen lassen möchten.

Welche Rolle spielt der Fensteranschluss?

Selbst das beste Fenster nützt nichts, wenn der Anschluss an die Wand mangelhaft ausgeführt ist. Der Übergang zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk ist eine der häufigsten Fehlerquellen bei Sanierungen. Hier treffen zwei unterschiedliche Materialien aufeinander, und genau hier entstehen Wärmebrücken und Undichtigkeiten.

Ein fachgerechter Fensteranschluss folgt dem Prinzip: innen dichter als außen. Die raumseitige Abdichtung (Dampfbremse) muss luftdicht sein, damit keine feuchte Raumluft in die Fuge eindringt. Die außenseitige Abdichtung muss regendicht, aber dampfdurchlässig sein, damit eventuell eindringende Feuchte nach außen trocknen kann.

In der Praxis wird der Zwischenraum zwischen Rahmen und Mauerwerk häufig nur mit Montageschaum ausgefüllt. Das ist weder luft- noch dampfdicht und entspricht nicht den anerkannten Regeln der Technik. Kompribänder, Multifunktionsbänder oder Foliensysteme sind die richtige Lösung, werden aber nicht von jedem Fensterbauer standardmäßig eingesetzt.

Bei Altbauten kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu: Die Fensterlaibungen sind oft uneben, die Mauerwerksqualität variiert, und bei Sandsteinfassaden, wie sie für Fürth typisch sind, kann die Oberfläche so unregelmäßig sein, dass Standardanschlüsse nicht passen. Hier ist handwerkliches Können und individuelle Anpassung gefragt.

Was bedeutet Denkmalschutz beim Fensteraustausch für Fürth?

Fürth ist eine Denkmalstadt. Mit über 2.000 Einzeldenkmälern und der höchsten Denkmaldichte in Bayern sind die Auflagen bei Gebäudeveränderungen entsprechend streng. Da 90 Prozent der historischen Bausubstanz im Zweiten Weltkrieg erhalten blieben, stehen gerade die Gründerzeit- und Jugendstilbauten der Hornschuchpromenade, der Südstadt und der Innenstadt häufig unter Denkmalschutz.

Für den Fensteraustausch an denkmalgeschützten Gebäuden gelten besondere Regeln:

  • Form und Teilung der Fenster müssen erhalten bleiben. Ein Gründerzeitfenster mit Oberlicht und Sprossen darf nicht durch ein ungeteiltes Kunststofffenster ersetzt werden.
  • Das Rahmenmaterial ist oft vorgegeben. Holzfenster müssen durch Holzfenster ersetzt werden. Kunststoff- oder Aluminiumrahmen werden an denkmalgeschützten Fassaden in der Regel nicht genehmigt.
  • Die Ansichtsbreite des Rahmens darf sich nicht wesentlich ändern. Moderne Profile sind breiter als historische, was die Glasfläche verkleinert und das Erscheinungsbild verändert.
  • Sprossen müssen echt sein (keine aufgeklebten Sprossen im Scheibenzwischenraum als Ersatz für echte Holzsprossen).
  • Die Farbgebung ist abzustimmen.

Diese Auflagen machen den Fensteraustausch teurer und aufwendiger. Gleichzeitig bieten denkmalgerecht sanierte Fenster steuerliche Vorteile: Die Sanierungskosten können über zehn Jahre mit jeweils 9 Prozent abgeschrieben werden (Paragraf 7i EStG), was die Mehrkosten teilweise kompensiert.

Vor dem Gang zur Denkmalschutzbehörde empfiehlt sich eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Fenster. Ein Sachverständiger dokumentiert den Zustand, die Konstruktion und die Maße. Auf dieser Grundlage kann ein sinnvoller Sanierungsvorschlag erarbeitet werden. Mehr dazu auf unserer Seite zur Sanierungsberatung.

Holz, Kunststoff oder Aluminium: Welches Material eignet sich im Altbau?

Im Neubau hat der Eigentümer freie Wahl. Im Altbau, zumal bei Denkmalschutz, ist die Auswahl eingeschränkt.

Holzfenster sind die klassische Wahl für Altbauten. Sie passen optisch zu historischen Fassaden, lassen sich reparieren und in den gewünschten Profilen anfertigen. Ihr Nachteil: Sie brauchen regelmäßige Pflege (alle 5 bis 10 Jahre streichen oder lasieren). Moderne Holzfenster erreichen U-Werte von 0,8 bis 1,0 W/(m²K).

Holz-Aluminium-Fenster kombinieren eine Holzinnenseite (Wohnraumseite) mit einer Aluminiumschale außen. Die Aluschale schützt vor Witterung und reduziert den Pflegeaufwand erheblich. Die Profilansichten sind allerdings breiter, was bei Denkmalschutzfenstern zum Problem werden kann.

Kunststofffenster sind die günstigste Option und praktisch wartungsfrei. An denkmalgeschützten Fassaden sind sie fast nie zulässig. An nicht denkmalgeschützten Altbauten sind sie eine pragmatische Lösung, sofern die optische Wirkung akzeptabel ist.

Die Verglasung ist materialunabhängig wählbar. Dreifachverglasung bietet die besten U-Werte, ist aber schwerer und erfordert stabilere Beschläge. Bei schmalen Altbaurahmen kann Dreifachverglasung zu breit sein. In solchen Fällen ist eine hochwertige Zweifachverglasung mit Wärmeschutzbeschichtung die bessere Wahl.

Wie erkennt man, ob die Fenster getauscht werden müssen?

Nicht jedes alte Fenster muss sofort raus. Manchmal reicht eine Überarbeitung: Neue Dichtungen, frischer Anstrich, Justierung der Beschläge. Aber es gibt klare Indikatoren, dass ein Austausch fällig ist.

  • Kondensat an der Innenseite der Scheibe (nicht am Rahmen): Zeigt, dass die Verglasung den Wärmeschutz nicht mehr leisten kann.
  • Zugerscheinungen trotz geschlossener Fenster: Die Dichtungen sind verschlissen oder die Rahmen verzogen.
  • Sichtbare Fäulnis am Holzrahmen: Wenn die Fäulnis tief ins Holz eingedrungen ist, ist eine Reparatur unwirtschaftlich.
  • Einfachverglasung: Mit einem U-Wert von 5,0 gibt es keine wirtschaftliche Alternative zum Austausch.
  • Funktionsstörungen: Fenster lassen sich nicht mehr richtig öffnen, schließen oder kippen. Die Beschläge sind am Ende der Lebensdauer.

Bei einer Hauskaufberatung gehört der Zustand der Fenster zu den Standardprüfpunkten. Der Sachverständige beurteilt, ob ein Austausch kurzfristig nötig oder mittelfristig einzuplanen ist, und ob eine Thermografie-Untersuchung sinnvoll ist, um Wärmebrücken im Fensterbereich sichtbar zu machen.

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Häufige Fragen

Muss ich nach dem Fensteraustausch anders lüften?

Ja. Neue Fenster sind deutlich dichter als alte. Die unkontrollierte Lüftung über Fugen und Spalte entfällt. Sie müssen aktiv drei- bis viermal täglich stoßlüften oder ein Lüftungssystem (Fensterfalzlüfter, dezentrale Lüftung) einbauen lassen, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Kann ich nur die Verglasung tauschen und den Rahmen behalten?

Bei einigen Fenstersystemen ist das möglich, besonders bei Holzfenstern mit Kittfalz. Der Rahmen muss allerdings in gutem Zustand sein. Neue Isolierverglasung ist schwerer als altes Einfachglas, die Beschläge und das Rahmenprofil müssen das Gewicht tragen können.

Ist Dreifachverglasung im Altbau sinnvoll?

Nur wenn die umgebende Wand ebenfalls gut gedämmt ist. In einem ungedämmten Gründerzeitbau mit Vollziegelwänden (U-Wert ca. 1,4) kann Dreifachverglasung (U-Wert 0,6) dazu führen, dass die Wand die kälteste Stelle wird und dort Kondensat ausfällt. Eine gute Zweifachverglasung (U-Wert 1,1) ist in solchen Fällen oft die bessere Wahl.

Was kostet der Austausch eines Fensters im Altbau?

Die Kosten hängen vom Material, der Größe, der Verglasung und den Denkmalschutzauflagen ab. Denkmalgerechte Holzfenster mit Sprossen sind deutlich teurer als Standardfenster. Ein Sachverständiger kann nach einer Bestandsaufnahme einschätzen, welcher Aufwand realistisch ist.

Brauche ich eine Genehmigung für den Fensteraustausch?

Bei denkmalgeschützten Gebäuden ja. Jede Veränderung am äußeren Erscheinungsbild bedarf der Genehmigung durch die Untere Denkmalschutzbehörde. Bei nicht denkmalgeschützten Gebäuden ist ein reiner Austausch (gleiche Größe, gleiche Position) in der Regel genehmigungsfrei.

Was passiert, wenn ich an einem Denkmal ohne Genehmigung Fenster tausche?

Die Denkmalschutzbehörde kann den Rückbau anordnen. Das bedeutet: Die neuen Fenster müssen wieder raus und durch denkmalgerechte Fenster ersetzt werden. Die Kosten trägt der Eigentümer. Es lohnt sich daher immer, die Genehmigung vor dem Einbau einzuholen.

Wie finde ich heraus, ob mein Gebäude unter Denkmalschutz steht?

Die Bayerische Denkmalliste ist öffentlich einsehbar beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD). Alternativ gibt die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Auskunft. Bei über 2.000 Denkmälern für Fürth ist die Wahrscheinlichkeit bei Altbauten in der Innenstadt, Südstadt und entlang der Hornschuchpromenade hoch.

Kann ein Sachverständiger prüfen, ob die neuen Fenster korrekt eingebaut wurden?

Ja. Der Sachverständige prüft die Anschlussdetails (Dampfbremse, Kompribänder, Fensterbankanschluss), die Funktion der Beschläge und ob das Lüftungskonzept schlüssig ist. Diese Abnahme ist besonders bei umfangreichem Fensteraustausch empfehlenswert.

Sie planen einen Fensteraustausch im Altbau für Fürth? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger berät Sie unabhängig zu Bauphysik, Denkmalschutz und fachgerechter Ausführung.

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