Das Wichtigste in Kürze:
- Fürth liegt am Zusammenfluss von Pegnitz, Rednitz und Regnitz. Diese Drei-Flüsse-Lage erhöht das Hochwasserrisiko im gesamten Stadtgebiet
- Starkregenereignisse verursachen Rückstau in der Kanalisation und Überflutungen auch abseits der Flussauen
- Eine Elementarschadenversicherung ist für Eigentümer in Flussnähe dringend empfohlen, aber kein Ersatz für baulichen Schutz
- Rückstauklappen, Abdichtung der Kellergeschosse und angepasste Haustechnik verringern das Schadensrisiko erheblich
- Vor dem Kauf einer Immobilie für Fürth sollte die Hochwasserrisikokarte geprüft werden
Hochwasserschutz für Fürth ist kein abstraktes Thema. Die Stadt liegt an der Stelle, wo Pegnitz und Rednitz zur Regnitz zusammenfließen. Diese Drei-Flüsse-Lage prägt den Baugrund, die Grundwasserverhältnisse und das Überflutungsrisiko für tausende Gebäude. Wer hier eine Immobilie besitzt oder kaufen möchte, braucht ein klares Bild davon, welche Risiken bestehen und welche baulichen Maßnahmen sinnvoll sind. Starkregenereignisse haben in den letzten Jahren gezeigt, dass auch Gebiete abseits der direkten Flussauen betroffen sein können.
Warum ist die Drei-Flüsse-Lage ein besonderes Risiko?
Die hydrologische Situation in Fürth unterscheidet sich grundlegend von Städten mit nur einem Flusslauf. Die Pegnitz fließt aus östlicher Richtung von Nürnberg kommend in das Stadtgebiet. Die Rednitz kommt von Süden. Am Zusammenfluss in Fürth entsteht die Regnitz, die nach Norden Richtung Bamberg abfließt.
Das Problem: Wenn Starkregen oder Schneeschmelze gleichzeitig in mehreren Einzugsgebieten auftreten, treffen die Hochwasserwellen an der Zusammenflussstelle aufeinander. Die Regnitz muss dann die gesamte Wassermenge beider Zuflüsse abführen. Bei extremen Ereignissen schafft sie das nicht schnell genug. Das Wasser staut sich zurück und breitet sich in die Auen und angrenzenden Siedlungsgebiete aus.
Der Baugrund verschärft das Risiko. Im Flusstal besteht der Untergrund großflächig aus Schwemmsand und Auenlehm. Diese Böden speichern Wasser und leiten es gut weiter. Bei Hochwasser steigt der Grundwasserspiegel oft deutlich schneller als der Flusspegel. Das bedeutet: Noch bevor das Wasser über die Ufer tritt, drückt es bereits durch den Untergrund gegen Kellerwände und Bodenplatten. Gebäude in der Südstadt, der Innenstadt und in Stadeln an der Rednitz sind davon besonders betroffen.
Mehr zur Bewertung von Feuchteschäden am Gebäude finden Sie auf unserer Seite zur Bauschaden-Bewertung.
Was richtet Starkregen abseits der Flussauen an?
Hochwasser durch ansteigende Flusspegel ist das eine. Starkregenereignisse stellen ein zusätzliches Risiko dar, das jedes Gebäude im Stadtgebiet treffen kann. Bei Starkregen fallen innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen, die das Kanalnetz nicht aufnehmen kann.
Rückstau aus der Kanalisation: Wenn die Kanalisation überlastet ist, steigt der Wasserspiegel im Kanal über das Straßenniveau. Ohne Rückstausicherung drückt das Mischwasser durch die Hausanschlüsse zurück in den Keller. Das Ergebnis sind überflutete Kellerräume mit verschmutztem Wasser, das nicht nur Bauschäden verursacht, sondern auch ein Hygienerisiko darstellt.
Oberflächenabfluss: Auf versiegelten Flächen fließt Regenwasser nicht ins Erdreich ab, sondern strömt über die Oberfläche. An Geländetiefpunkten sammelt es sich und dringt durch Kellerfenster, Lichtschächte oder Türen ins Gebäude ein. In Fürth sind die Viertel auf den leichten Erhebungen, etwa Hardhöhe und Teile von Poppenreuth, bei Starkregen nicht automatisch sicher. Das Wasser sucht sich seinen Weg entlang der Straßen und Grundstücke hangabwärts.
Hangwasser: An den Übergängen zwischen den Hochlagen und dem Flusstal kann Hangwasser bei Starkregen über Grundstücke fließen, die normalerweise trocken liegen. Besonders betroffen sind Grundstücke am Hangfuß, die das abfließende Wasser aufnehmen müssen.
Ein Sachverständiger kann beurteilen, ob Ihr Gebäude durch Rückstau oder Oberflächenabfluss gefährdet ist. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch.
Welche baulichen Maßnahmen schützen vor Hochwasser und Starkregen?
Hochwasserschutz am Gebäude folgt einem Stufenkonzept: Wasser fernhalten, Eindringen verhindern, Schäden minimieren.
Rückstauklappe: Die wichtigste Einzelmaßnahme gegen Kanalrückstau. Eine Rückstauklappe im Abwasseranschluss verhindert, dass Wasser aus dem überlasteten Kanal ins Gebäude zurückdrückt. Sie muss regelmäßig gewartet werden, weil Verschmutzungen die Funktion beeinträchtigen können. Bei Bestandsgebäuden für Fürth ist eine Rückstauklappe häufig nicht vorhanden oder veraltet.
Kellerabdichtung: Kellerwände und Bodenplatten müssen gegen drückendes Wasser abgedichtet sein. Gebäude aus der Gründerzeit, wie sie in der Fürther Südstadt und Innenstadt stehen, wurden ohne normgerechte Kellerabdichtung errichtet. Eine nachträgliche Abdichtung von außen ist die zuverlässigste Methode, aber in der dicht bebauten Innenstadt oft schwer umsetzbar. Alternativen wie Innenabdichtung oder Injektionsverfahren sollten mit einem Sachverständigen besprochen werden.
Lichtschächte und Kellerfenster: Lichtschächte vor Kellerfenstern sind eine häufige Eintrittsstelle für Oberflächenwasser. Aufkantungen, wasserdichte Lichtschachtabdeckungen oder der komplette Verzicht auf Kellerfenster unterhalb des Straßenniveaus reduzieren das Risiko. Kellerfenster lassen sich auch durch druckwasserdichte Fenster ersetzen.
Haustechnik anpassen: Heizung, Elektroverteilung und Waschmaschine stehen in vielen Häusern im Keller. Bei Überflutung sind sie sofort betroffen. Wer die Heizungsanlage auf einen Sockel stellt oder empfindliche Technik ins Erdgeschoss verlagert, begrenzt den Schaden im Ernstfall erheblich.
Außenanlagen: Geländemodellierung, Rinnen und Mulden können Oberflächenwasser vom Gebäude wegleiten. Eine Entsiegelung von Hofflächen verbessert die Versickerung. Bei Neugestaltung der Außenanlagen sollte das Gefälle immer vom Gebäude weg geplant werden.
Ob die Kellerabdichtung Ihres Gebäudes einem Hochwasserereignis standhält, lässt sich mit einer Bauzustandsprüfung feststellen.
Was deckt die Elementarschadenversicherung ab?
Die reguläre Gebäudeversicherung deckt Hochwasser- und Starkregenschäden nicht ab. Dafür brauchen Eigentümer eine Elementarschadenversicherung als Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung.
Gedeckte Risiken: Überschwemmung durch Hochwasser, Starkregen, Rückstau. Zusätzlich Erdrutsch, Schneedruck, Erdbeben und Lawinen. Der Rückstau ist besonders relevant: Ohne Elementarversicherung bleiben Eigentümer auf den Schäden durch rückstauendes Kanalwasser sitzen.
Voraussetzungen: Viele Versicherer verlangen als Bedingung eine funktionsfähige Rückstauklappe. Wer keine hat, bekommt entweder keinen Vertrag oder einen deutlich höheren Beitrag. In besonders hochwassergefährdeten Gebieten, den sogenannten ZÜRS-Zonen 3 und 4, lehnen manche Versicherer eine Elementarversicherung ab oder bieten sie nur mit hoher Selbstbeteiligung an.
ZÜRS-Zonen prüfen: Das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS) teilt Gebäude in vier Risikoklassen ein. Zone 1 bedeutet geringes Risiko, Zone 4 bedeutet statistisch mindestens einmal in zehn Jahren Hochwasser. Die Einstufung Ihres Gebäudes können Sie über Ihren Versicherer erfragen. In Fürth liegen Gebäude in unmittelbarer Flussnähe oft in Zone 2 oder 3.
Pflicht oder freiwillig? Eine Pflicht zur Elementarversicherung gibt es in Deutschland derzeit nicht, obwohl sie seit Jahren politisch diskutiert wird. Für Eigentümer in der Fürther Drei-Flüsse-Lage ist sie dennoch dringend empfohlen. Die Erfahrung zeigt: Ohne Versicherung bleiben Eigentümer nach einem Hochwasserereignis auf Sanierungskosten sitzen, die schnell im fünfstelligen Bereich liegen.
Wie beurteilt man das Hochwasserrisiko vor einem Immobilienkauf?
Wer eine Immobilie für Fürth kaufen möchte, sollte das Hochwasserrisiko systematisch prüfen, bevor er unterschreibt.
Hochwasserrisikokarten: Das Bayerische Landesamt für Umwelt stellt Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten online zur Verfügung. Dort ist für jedes Grundstück ersichtlich, ob es in einem Überschwemmungsgebiet liegt und welche Wassertiefen bei einem hundertjährlichen Hochwasser zu erwarten sind.
Grundwasserstände: Der Grundwasserstandsdienst Bayern zeigt Messwerte von Pegeln im gesamten Stadtgebiet. Für Fürth sind die Pegel im Rednitz-Pegnitz-Tal besonders aufschlussreich. Hohe Grundwasserstände bedeuten erhöhtes Risiko für drückendes Wasser im Keller.
Bausubstanz prüfen: Ein Bausachverständiger kann die vorhandene Kellerabdichtung beurteilen, Feuchtemessungen durchführen und einschätzen, ob das Gebäude für seinen Standort ausreichend geschützt ist. Feuchtespuren im Keller, Salzausblühungen oder modriger Geruch sind Warnsignale, die auf vergangene Wasserereignisse hindeuten.
Nachbarn fragen: In betroffenen Vierteln wissen die Nachbarn genau, wann der letzte Keller vollgelaufen ist. Diese Information steht in keiner Karte.
Eine Hauskaufberatung durch einen DEKRA-zertifizierten Sachverständigen klärt das Hochwasserrisiko und den Zustand der Kellerabdichtung vor dem Kauf.
Welche Stadtteile für Fürth sind besonders gefährdet?
Das Hochwasserrisiko verteilt sich im Stadtgebiet nicht gleichmäßig. Die Lage im Flusstal und die Geländehöhe sind die entscheidenden Faktoren.
Innenstadt und Südstadt: Die Fürther Innenstadt liegt direkt zwischen Pegnitz und Rednitz. Die Gründerzeitgebäude stehen auf Schwemmsand in geringer Entfernung zu den Flussläufen. Bei Hochwasser steigt hier der Grundwasserspiegel schnell an. Die dichte Bebauung und hohe Versiegelung erschweren den Abfluss bei Starkregen zusätzlich.
Stadeln und Vach: Die ehemaligen Dörfer Stadeln und Vach liegen direkt an der Rednitz. Hier befinden sich ausgewiesene Überschwemmungsgebiete. Neubauten in diesen Bereichen unterliegen strengen Auflagen.
Atzenhof und Unterfarrnbach: Am Unterlauf der Rednitz vor dem Zusammenfluss mit der Pegnitz liegen weitere Bereiche, die bei Hochwasser gefährdet sind.
Hardhöhe und Hochlagen: Die Großwohnsiedlung Hardhöhe liegt auf einer leichten Erhebung und ist durch Flusshochwasser kaum gefährdet. Starkregen und Rückstau aus der Kanalisation können aber auch hier Schäden verursachen. Das gilt ebenso für Poppenreuth und die westlichen Stadtteile, die topografisch höher liegen.
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Häufige Fragen
Woher weiß ich, ob mein Grundstück im Überschwemmungsgebiet liegt?
Die Hochwassergefahrenkarten des Bayerischen Landesamts für Umwelt zeigen die Überschwemmungsgebiete für verschiedene Jährlichkeiten (HQ10, HQ100, HQextrem). Die Karten sind online frei zugänglich. Zusätzlich kann das Stadtplanungsamt Fürth Auskunft geben.
Was kostet eine Elementarschadenversicherung?
Die Prämie hängt von der ZÜRS-Zone, dem Gebäudetyp und der Selbstbeteiligung ab. In Zone 1 und 2 sind die Beiträge moderat und bewegen sich im niedrigen dreistelligen Bereich pro Jahr. In Zone 3 und 4 steigen die Prämien deutlich. Ein Versicherungsvergleich lohnt sich.
Kann ich im Überschwemmungsgebiet bauen oder umbauen?
In festgesetzten Überschwemmungsgebieten gelten strenge Bauvorschriften. Neubauten sind nur unter besonderen Auflagen möglich. Auch bei Umbauten und Sanierungen bestehender Gebäude kann die Wasserbehörde Auflagen machen, etwa zur hochwasserangepassten Bauweise. Das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg ist die zuständige Behörde für Fürth.
Was mache ich, wenn mein Keller bei Hochwasser vollläuft?
Erst die Sicherheit: Strom im Keller abstellen. Nicht in überflutete Räume gehen, wenn elektrische Anlagen unter Wasser stehen. Nach dem Abfließen des Wassers: Schäden dokumentieren, Versicherung informieren, Feuchtigkeit messen lassen. Nicht sofort trocknen, sondern erst die Substanz prüfen lassen. Ein Sachverständiger beurteilt, welche Bauteile getrocknet und welche ausgetauscht werden müssen.
Reicht eine Rückstauklappe als Schutz aus?
Eine Rückstauklappe schützt gegen Kanalrückstau, aber nicht gegen Hochwasser, das über die Geländeoberfläche eindringt. Sie ist eine notwendige, aber keine hinreichende Maßnahme. Für einen umfassenden Schutz müssen Kellerabdichtung, Lichtschachtschutz und gegebenenfalls mobile Hochwasserschutzsysteme zusammenwirken.
Wie oft sollte die Rückstauklappe gewartet werden?
Mindestens einmal jährlich. Fett, Haare und Feststoffe können die Klappe blockieren, sodass sie bei Rückstau nicht schließt. Die Wartung lässt sich einfach selbst durchführen: Klappe öffnen, reinigen, Funktion prüfen. Bei automatischen Rückstauverschlüssen mit Pumpe empfiehlt sich eine professionelle Wartung.
Wer erstellt ein Gutachten nach einem Hochwasserschaden?
Ein Bausachverständiger dokumentiert die Schäden, beurteilt die Standsicherheit und gibt Empfehlungen zur Sanierung. Das Gutachten dient als Grundlage für die Versicherungsregulierung und für Angebote von Sanierungsfirmen. Es schützt davor, dass Schäden übersehen oder Sanierungsmaßnahmen falsch dimensioniert werden.
Ist eine Hochwasserschutzwand am Grundstück genehmigungspflichtig?
Ja, in der Regel schon. Mobile und stationäre Hochwasserschutzanlagen können den Wasserabfluss auf Nachbargrundstücke verändern. Die Genehmigungspflicht hängt von der Höhe, der Lage und den wasserrechtlichen Gegebenheiten ab. Klären Sie das vor der Errichtung mit dem Bauamt und dem Wasserwirtschaftsamt.
Sie möchten den Hochwasserschutz Ihrer Immobilie bewerten lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger berät Sie für Fürth und die gesamte Metropolregion.