Das Wichtigste in Kürze:
- Die Fürther Altstadt enthält Fachwerk- und Schieferhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert
- Über 90 Prozent der historischen Bausubstanz in Fürth überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet
- Die meisten Altstadtgebäude stehen unter Denkmalschutz, was Sanierungen reglementiert
- Fachwerk zeigt nach Jahrhunderten typische Schäden: Holzschädlinge, Gefügeverformung, Feuchtigkeitseintrag
- Schieferhäuser haben spezifische Schwachstellen an Fassadenverkleidung und Unterkonstruktion
Die Fürther Altstadt ist ein bemerkenswertes Zeugnis fränkischer Baugeschichte. Während Nürnberg im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, blieb Fürths historischer Kern nahezu vollständig erhalten. Wer Fachwerk oder Schieferhäuser für Fürth kaufen, sanieren oder begutachten lassen möchte, trifft auf die älteste Bausubstanz der Stadt. Ein DEKRA-zertifizierter Sachverständiger kennt die typischen Schadensbilder dieser Bauweisen und die Besonderheiten des Fürther Denkmalschutzes.
Welche historischen Bautypen prägen die Fürther Altstadt?
Die Altstadt rund um den Grünen Markt, die Gustavstraße und die Königstraße zeigt Bausubstanz aus mehreren Jahrhunderten. Zwei Bauweisen stechen hervor.
Fachwerkhäuser
Die ältesten erhaltenen Fachwerkhäuser in Fürth stammen aus dem 17. Jahrhundert. Sie sind typisch fränkisch konstruiert: Eichenholz-Ständerwerk mit Lehm- oder Ziegelausfachung, oft verputzt und dadurch von außen nicht sofort als Fachwerk erkennbar. Viele Fachwerkhäuser wurden im 18. und 19. Jahrhundert mit massiven Vorsatzschalen oder Putzfassaden versehen, um sie dem jeweils aktuellen Geschmack anzupassen.
Die Fachwerk-Konstruktion war in Fürth bis etwa 1800 die vorherrschende Bauweise für Wohn- und Geschäftshäuser. Danach setzte sich die massive Bauweise der Gründerzeit durch.
Schieferhäuser
Eine Besonderheit der Fürther Altstadt sind die schieferverkleideten Häuser. Die Fassaden bestehen aus dünnen Schieferplatten, die auf einer Holzlattung befestigt sind. Diese Bauweise schützte das dahinterliegende Fachwerk oder Mauerwerk vor Witterung und gab den Häusern ihr charakteristisches Erscheinungsbild.
Schieferfassaden findet man vor allem in der Gustavstraße und den angrenzenden Gassen. Sie sind ein Erkennungszeichen der Fürther Altstadt und stehen fast ausnahmslos unter Denkmalschutz.
Welche typischen Schäden treten an Fachwerkhäusern auf?
Fachwerk ist eine Konstruktion, die bei guter Pflege Jahrhunderte überdauert. Doch Vernachlässigung, falsche Sanierungen und Feuchtigkeitseintrag hinterlassen Spuren. Ein Sachverständiger prüft bei der Begutachtung gezielt die folgenden Schadensbereiche.
Holzschädlinge und Pilzbefall
Die Holzständer und Riegel eines Fachwerkhauses sind nach Jahrhunderten anfällig für biologischen Befall. Der Hausbock, ein holzzerstörender Käfer, befällt vor allem das Splintholz älterer Eichenbalken. Sein Befall ist durch ovale Ausfluglöcher und Fraßmehl erkennbar.
Gefährlicher ist der Echte Hausschwamm, ein Pilz, der Holz in kurzer Zeit vollständig zerstören kann. Er breitet sich bei dauerhafter Feuchtigkeit und mangelnder Belüftung aus. In verputzten Fachwerkwänden bleibt er oft lange unentdeckt, weil der Putz den Blick auf das Holz versperrt. Mehr zum Thema Feuchtigkeit und Pilzbefall erfahren Sie auf unserer Seite zum Schimmelgutachten.
Gefügeverformung und Ausbeulung
Fachwerkhäuser bewegen sich. Über Jahrhunderte können sich Ständer neigen, Schwellen absenken und ganze Wandflächen ausbeulen. Diese Verformungen haben verschiedene Ursachen: ungleichmäßige Setzung des Fundaments, Überlastung einzelner Bauteile oder der Verlust tragender Elemente durch frühere Umbauten.
Nicht jede Verformung ist kritisch. Viele Fachwerkhäuser stehen seit 300 Jahren schief und bleiben stabil. Ein Sachverständiger unterscheidet zwischen abgeschlossenen, historischen Verformungen und fortschreitenden Bewegungen, die auf aktive Schäden hinweisen.
Feuchtigkeitseintrag durch Putz und Ausfachung
Verputztes Fachwerk ist in Fürth häufig. Der Putz schützt das Holz vor Witterung, kann aber zum Problem werden: Zementputz ist dampfdicht und verhindert, dass Feuchtigkeit aus dem Holz nach außen trocknet. Das Holz bleibt dauerhaft feucht und fault von innen.
Auch die Ausfachungen zwischen den Ständern sind anfällig. Lehm-Stroh-Ausfachungen reißen im Laufe der Zeit, Regen dringt in die Risse und durchfeuchtet das angrenzende Holz. Ein Sachverständiger erkennt diese Schäden durch Feuchtemessungen und gezielte Bauteilöffnungen. Auf unserer Seite zu Bauschäden finden Sie weitere Informationen.
Welche Schäden zeigen Schieferfassaden?
Schieferfassaden haben eigene Schadensbilder, die sich von denen massiver Fassaden deutlich unterscheiden.
Lockere und fehlende Schieferplatten
Schieferplatten werden mit speziellen Nägeln auf der Holzlattung befestigt. Über Jahrzehnte korrodieren die Nägel, die Befestigung lockert sich und Platten fallen ab. Fehlende Platten legen die Unterkonstruktion frei und ermöglichen direkten Feuchtigkeitseintrag.
Verrottete Unterkonstruktion
Die Holzlattung hinter der Schieferfassade ist das eigentliche Schwachstelle. Wenn Feuchtigkeit hinter die Schieferplatten gelangt, finden Holz und Lattung keine Möglichkeit zum Abtrocknen. Fäulnis setzt ein und die gesamte Fassadenbekleidung verliert ihren Halt. Ein Sachverständiger prüft den Zustand der Unterkonstruktion stichprobenartig durch Entfernung einzelner Platten.
Asbest in jüngeren Schieferersatzplatten
In den 1960er bis 1980er Jahren wurden beschädigte Schieferplatten teilweise durch Faserzementplatten ersetzt. Diese können Asbest enthalten. Bei der Begutachtung achtet ein Sachverständiger auf Material-Unterschiede in der Fassade und empfiehlt bei Verdacht eine Laboranalyse vor jeder Sanierung.
Kontaktieren Sie uns, wenn Sie den Zustand einer Schieferfassade fachlich bewerten lassen möchten.
Was bedeutet Denkmalschutz für Eigentümer in der Fürther Altstadt?
Fürth hat mit über 2.000 Einzeldenkmälern die höchste Denkmaldichte in Bayern. In der Altstadt steht der Großteil der Gebäude unter Denkmalschutz. Das hat konkrete Auswirkungen auf jeden Eigentümer.
Sanierungsmaßnahmen an der Außenhülle, also Fassade, Fenster, Dach und Eingangstüren, bedürfen der Genehmigung durch die Untere Denkmalschutzbehörde. Materialien und Ausführungsart müssen den denkmalpflegerischen Anforderungen entsprechen. Kunststofffenster sind in der Regel ausgeschlossen, Holzfenster mit historischen Profilen vorgeschrieben. Schieferfassaden müssen mit Naturschiefer gedeckt werden, Faserzementersatz ist nicht zulässig.
Im Inneren eines Denkmals sind Änderungen leichter möglich, sofern die Substanz nicht beeinträchtigt wird. Sichtbares Fachwerk im Innenraum, historische Treppenhäuser und bauzeitliche Deckenbalken dürfen nicht ohne Genehmigung verändert werden.
Ein Sachverständiger dokumentiert den Bestand und erstellt eine Zustandsbewertung, die als Grundlage für den Genehmigungsantrag bei der Denkmalschutzbehörde dient. Weitere Informationen zu Denkmalimmobilien finden Sie auf unserer Seite zur Hauskaufberatung.
Wie läuft die Begutachtung eines Fachwerkhauses ab?
Die Begutachtung eines Fachwerkhauses ist aufwendiger als die eines massiven Gebäudes. Der Sachverständige benötigt mehr Zeit für die Untersuchung, weil das Tragwerk aus vielen Einzelbauteilen besteht, die jeweils eigene Schadensbilder zeigen können.
Zunächst wird das Gebäude von außen auf Verformungen, Risse und Feuchtigkeitsspuren untersucht. Dann folgt die Begehung von innen: Keller, Erdgeschoss, Obergeschosse und Dachstuhl werden systematisch geprüft. Feuchtemessungen an Holzbauteilen, Prüfung der Auflager und Verbindungen sowie die Dokumentation aller Verformungen gehören zur Standarduntersuchung.
Bei verputztem Fachwerk können gezielte Bauteilöffnungen notwendig sein, um den Zustand des Holzes hinter dem Putz zu beurteilen. Das geschieht zerstörungsarm an ausgewählten Stellen, die anschließend verschlossen werden. Mehr zur Bauzustandsprüfung finden Sie auf unserer Website.
Verwandte Themen
- Stadtteile für Fürth: Bausubstanz von der Südstadt bis Hardhöhe
- Hochwasserschutz für Fürth: Pegnitz, Rednitz und Regnitz
- Fürth als Denkmalstadt: Was Eigentümer wissen müssen
- Eigentumswohnung kaufen: Worauf der Gutachter achtet
Häufige Fragen
Kann man ein Fachwerkhaus in Fürth energetisch sanieren?
Ja, aber unter Beachtung der Denkmalschutzauflagen. Innendämmung mit diffusionsoffenen Materialien ist bei vielen denkmalgeschützten Fachwerkhäusern möglich. Außendämmung ist bei sichtbarem Fachwerk oder Schieferfassaden ausgeschlossen.
Wie erkenne ich, ob hinter dem Putz Fachwerk steckt?
Hinweise sind unregelmäßige Wandstärken, leicht wellige Fassadenflächen und stellenweise durchscheinende Holzkonturen. Gewissheit gibt eine Sondierungsöffnung durch einen Fachmann.
Was kostet die Sanierung einer Schieferfassade?
Das hängt vom Zustand der Unterkonstruktion ab. Die reine Neueindeckung mit Naturschiefer ist aufwendig, aber wenn die Lattung ebenfalls erneuert werden muss, steigen die Kosten erheblich.
Gibt es Fördermittel für denkmalgeschützte Gebäude?
Ja. Eigentümer von Baudenkmälern können erhöhte steuerliche Abschreibungen nach den Paragraphen 7i und 10f des Einkommensteuergesetzes geltend machen. Kommunale Zuschüsse sind je nach Programmlage ebenfalls möglich.
Ist Fachwerk erdbebensicher?
Fachwerk hat durch seine Flexibilität eine gewisse Erdbeben-Robustheit. In der seismisch wenig aktiven Region Fürth spielt das aber praktisch keine Rolle.
Wie oft sollte eine Schieferfassade gewartet werden?
Eine jährliche Sichtprüfung auf lockere oder fehlende Platten ist empfehlenswert. Kleine Schäden lassen sich frühzeitig und kostengünstig beheben, bevor Feuchtigkeit in die Unterkonstruktion eindringt.
Kann ich ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus umbauen?
Innenumbauten sind grundsätzlich möglich, bedürfen aber der Genehmigung. Tragende Fachwerkwände dürfen nicht ohne statischen Nachweis und denkmalschutzrechtliche Freigabe verändert werden.
Worin unterscheidet sich fränkisches Fachwerk von norddeutschem?
Fränkisches Fachwerk verwendet häufig Eichenholz mit Lehm-Stroh-Ausfachung und ist oft verputzt. Norddeutsches Fachwerk zeigt typischerweise Backsteinausfachung und bleibt sichtbar. Die Konstruktionsprinzipien sind ähnlich, die Schadensbilder unterscheiden sich aber durch das verwendete Ausfachungsmaterial.
Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular, um eine Begutachtung Ihres Fachwerk- oder Schieferhauses zu vereinbaren.