DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Fürth
Baubegleitung & Qualitätssicherung 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Elektroinstallation im Neubau: Was der Gutachter prüft

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Elektroinstallation im Neubau muss nach DIN 18015 ausgeführt werden und wird selten vom Bauherrn selbst geprüft
  • FI-Schutzschalter (RCDs) sind in allen Stromkreisen Pflicht und müssen korrekt dimensioniert sein
  • Der Potentialausgleich verbindet alle metallischen Systeme im Haus und schützt vor gefährlichen Berührungsspannungen
  • Prüfung der Elektrik muss vor dem Verschließen der Wände erfolgen, danach ist eine Nachkontrolle nur mit erheblichem Aufwand möglich
  • Ein baubegleitender Sachverständiger erkennt Abweichungen vom Leistungsverzeichnis und von den Normen

Die Elektroinstallation im Neubau gehört zu den Gewerken, die Bauherren am seltensten selbst kontrollieren. Das liegt auf der Hand: Kabel hinter Putz und unter Estrich sind unsichtbar, und die technischen Normen sind für Laien schwer durchschaubar. Genau deshalb ist die Elektrik ein Bereich, in dem ein baubegleitender Sachverständiger für Fürth besonders viel bewirken kann. Denn Fehler, die vor dem Verputzen nicht auffallen, verursachen später hohe Folgekosten oder schlimmstenfalls Brandgefahr.

Was schreibt die DIN 18015 für die Elektroinstallation vor?

Die DIN 18015 regelt die elektrische Ausstattung von Wohngebäuden. Sie legt fest, wie viele Stromkreise ein Haus mindestens braucht, wie die Verteilung aufgebaut sein muss und welche Ausstattungsstufen es gibt.

Die Norm unterscheidet drei Ausstattungsstufen. Stufe 1 ist das absolute Minimum und reicht für einfache Wohnungen. Stufe 2 gilt als Standard für Neubauten und deckt den Bedarf eines typischen Haushalts ab. Stufe 3 bietet Komfortausstattung mit zusätzlichen Stromkreisen und Anschlüssen.

In der Praxis wird in Bauverträgen häufig auf DIN 18015 verwiesen, ohne die Ausstattungsstufe zu benennen. Das führt zu Streit, wenn der Bauherr Stufe 2 erwartet, der Elektriker aber nur Stufe 1 installiert hat. Ein Sachverständiger prüft, ob die tatsächlich verlegte Installation dem entspricht, was im Leistungsverzeichnis vereinbart wurde.

Konkret kontrolliert der Gutachter unter anderem:

  • Anzahl der Stromkreise pro Raum und Etage
  • Leitungsquerschnitte (mindestens 1,5 mm² für Beleuchtung, 2,5 mm² für Steckdosen)
  • Absicherung der einzelnen Stromkreise im Zählerschrank
  • Separate Stromkreise für Herd, Waschmaschine, Trockner und Durchlauferhitzer
  • Ausreichende Anzahl von Steckdosen pro Raum

Mehr zur systematischen Qualitätskontrolle während der Bauphase erfahren Sie auf unserer Seite zur Baubegleitung für Fürth.

Warum sind FI-Schutzschalter so wichtig und was kann schiefgehen?

FI-Schutzschalter, fachlich Residual Current Devices (RCDs) genannt, sind die zentrale Schutzeinrichtung gegen Stromschläge. Sie messen die Differenz zwischen zufließendem und abfließendem Strom. Weicht diese Differenz um mehr als 30 Milliampere ab, etwa weil Strom über den menschlichen Körper abfließt, schaltet der RCD innerhalb von Millisekunden ab.

Seit 2007 schreibt die DIN VDE 0100-410 vor, dass alle Steckdosenstromkreise über FI-Schutzschalter abgesichert sein müssen. In der Praxis treten bei Neubauten dennoch regelmäßig Fehler auf:

Falsche Zuordnung: Nicht alle Stromkreise sind dem RCD zugeordnet. Einzelne Leitungen laufen am Schutzschalter vorbei, etwa weil der Elektriker vergessen hat, sie umzuklemmen. Von außen ist das am fertigen Zählerschrank nicht erkennbar.

Überlastung: Ein einzelner FI-Schutzschalter sichert zu viele Stromkreise ab. Bei einem Fehler in einem Raum fällt dann das gesamte Haus dunkel. Die Norm empfiehlt, maximal sechs Stromkreise pro RCD zusammenzufassen.

Fehlende selektive Abstufung: Bei mehrstöckigen Häusern sollten die RCDs selektiv ausgelegt sein. Das bedeutet, dass bei einem Fehler im Obergeschoss nur dort abgeschaltet wird, nicht im Erdgeschoss. Ohne selektive Abstufung kann ein defektes Gerät im Kinderzimmer die Tiefkühltruhe im Keller abschalten.

Der Sachverständige prüft jeden einzelnen Stromkreis auf korrekte RCD-Zuordnung. Das geschieht am besten, solange der Zählerschrank offen und die Leitungsführung sichtbar ist.

Was leistet der Potentialausgleich und wie wird er geprüft?

Der Potentialausgleich ist eine Sicherheitsmaßnahme, die vielen Bauherren unbekannt ist. Er verbindet alle metallischen Systeme im Haus, also Wasserleitungen, Gasleitungen, Heizungsrohre, Erdungsleiter und Fundamenterder, miteinander und mit der Haupterdungsschiene.

Ziel ist es, gefährliche Spannungsunterschiede zwischen diesen Systemen zu verhindern. Ohne Potentialausgleich kann es passieren, dass zwischen Wasserleitung und Heizkörper eine Spannung anliegt. Wer beides gleichzeitig berührt, bekommt einen Stromschlag.

Beim Neubau wird der Potentialausgleich in zwei Stufen hergestellt:

Hauptpotentialausgleich: Alle metallischen Versorgungsleitungen werden im Keller mit der Haupterdungsschiene verbunden. Die Verbindungen müssen fest verschraubt oder mit genormten Schellen hergestellt sein. Lötverbindungen sind nicht zulässig, weil sie bei Überstrom schmelzen können.

Zusätzlicher Potentialausgleich: In Bädern und Feuchträumen müssen alle metallischen Teile (Wannengestelle, Rohre, Heizungsanschlüsse) untereinander und mit dem Schutzleiter verbunden werden. Das ist besonders relevant, weil in diesen Räumen die Gefahr eines Stromschlags durch Feuchtigkeit erhöht ist.

Bei der Prüfung kontrolliert der Sachverständige, ob alle vorgeschriebenen Verbindungen hergestellt sind, ob die richtigen Leiterquerschnitte verwendet wurden und ob die Verbindungen mechanisch fest sitzen. Fehlende oder lockere Potentialausgleichsverbindungen gehören zu den häufigsten Mängeln, die bei der Baubegleitung festgestellt werden.

Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch zur Prüfung Ihrer Elektroinstallation.

Wann muss die Elektroinstallation geprüft werden?

Das Timing ist entscheidend. Die wichtigste Prüfung muss nach der Rohinstallation und vor dem Verputzen stattfinden. In dieser Phase liegen alle Leitungen offen in den Schlitzen und Leerrohren. Der Sachverständige kann die Leitungsführung, die Kabelquerschnitte, die Befestigung und die Verteilung der Stromkreise direkt sehen und bewerten.

Nach dem Verputzen ist davon nichts mehr sichtbar. Dann bleibt nur noch die Messung am fertigen Zählerschrank, und selbst dabei lassen sich nicht alle Fehler aufdecken. Eine falsch verlegte Leitung unter Putz aufzuspüren und zu korrigieren, bedeutet Wände aufstemmen, neu verputzen und streichen.

Bei der baubegleitenden Qualitätssicherung für Fürth empfehlen wir daher mindestens zwei Prüftermine für die Elektrik:

  • Nach Abschluss der Rohinstallation (Leitungen in Schlitzen, Zählerschrank verdrahtet)
  • Vor der Bauabnahme (Funktionsprüfung aller Stromkreise, RCD-Test, Isolationsmessung)

Weitere Details zur Bauabnahme und den einzelnen Prüfschritten finden Sie auf der entsprechenden Seite.

Was ist bei Neubauten für Fürth besonders zu beachten?

In der Metropolregion Nürnberg, zu der Fürth gehört, wird intensiv gebaut. Sowohl in Neubaugebieten wie in der Hardhöhe als auch auf Nachverdichtungsflächen in Poppenreuth und Stadeln entstehen neue Wohnhäuser. Der Baugrund im Rednitz-Pegnitz-Tal besteht großteils aus Schwemmsand, was Auswirkungen auf die Erdung hat.

Beim Fundamenterder, der in die Bodenplatte einbetoniert wird, muss das Erdungsmaterial auf die Bodenverhältnisse abgestimmt sein. Sandige Böden haben einen höheren spezifischen Erdwiderstand als lehmige Böden. Das kann dazu führen, dass der Fundamenterder allein nicht ausreicht und zusätzliche Tiefenerder gesetzt werden müssen. Ein Sachverständiger prüft den Erdungswiderstand messtechnisch und stellt fest, ob die Werte innerhalb der Norm liegen.

Bei Reihenhäusern und Doppelhaushälften, die in Fürther Neubaugebieten häufig gebaut werden, kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Die elektrischen Anlagen beider Haushälften müssen sauber voneinander getrennt sein. Gemeinsam genutzte Leitungen oder ein fehlender Trennungsschnitt im Erdungssystem sind Mängel, die erst beim Eigentümerwechsel oder bei Umbauten auffallen.

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Häufige Fragen

Muss die Elektroinstallation im Neubau abgenommen werden?

Ja. Nach DIN VDE 0100-600 muss jede neue Elektroinstallation vor der Inbetriebnahme geprüft werden. Die Erstprüfung umfasst Sichtprüfung, Messung des Isolationswiderstands, Schleifenimpedanzmessung und RCD-Test. Der Errichter (Elektrofirma) ist zur Dokumentation verpflichtet.

Reicht die Prüfung durch die Elektrofirma aus?

Die Elektrofirma prüft ihre eigene Arbeit. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, aber naturgemäß keine unabhängige Kontrolle. Ein baubegleitender Sachverständiger prüft aus der Perspektive des Bauherrn und vergleicht die Installation mit dem Leistungsverzeichnis. Abweichungen, die die Elektrofirma nicht als Mangel ansieht, fallen so auf.

Was passiert, wenn der Potentialausgleich fehlt?

Ohne Potentialausgleich können gefährliche Berührungsspannungen zwischen metallischen Teilen im Haus auftreten. In Feuchträumen wie Bad und Küche ist das Risiko besonders hoch. Nachträglich lässt sich ein fehlender Potentialausgleich einbauen, allerdings mit deutlich höherem Aufwand als bei der Rohinstallation.

Wie viele Steckdosen braucht ein Neubau?

Die DIN 18015-2 gibt Mindestwerte vor. Für einen Wohnraum bis 20 m² sind mindestens fünf Steckdosen vorgesehen (Ausstattungsstufe 2). Küche und Bad haben gesonderte Anforderungen. In der Praxis empfiehlt sich eine großzügige Planung, weil nachträgliches Verlegen aufwendig und teuer ist.

Was kostet eine unabhängige Prüfung der Elektroinstallation?

Die Kosten richten sich nach der Größe des Gebäudes und dem Umfang der Prüfung. Gemessen an den möglichen Folgekosten fehlerhafter Elektrik, ob Brandschaden oder Nachrüstung, ist die Investition überschaubar. Einzelheiten finden Sie auf unserer Kostenseite.

Kann ich die Elektroinstallation selbst prüfen?

Als Laie können Sie überprüfen, ob die vereinbarte Anzahl von Steckdosen und Lichtauslässen vorhanden ist. Die technische Prüfung (Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, RCD-Auslösezeit) erfordert Messgeräte und Fachkenntnisse. Arbeiten an der Elektrik dürfen nur durch Fachbetriebe erfolgen.

Was sind die häufigsten Elektrikmängel im Neubau?

Fehlende oder falsch zugeordnete FI-Schutzschalter, zu wenige Stromkreise, fehlender Potentialausgleich im Bad, nicht fachgerecht ausgeführte Leitungsdurchführungen durch Brandwände und Abweichungen vom vereinbarten Leistungsumfang. Viele dieser Mängel sind nach dem Verputzen nicht mehr sichtbar.

Sie bauen für Fürth und möchten Ihre Elektroinstallation unabhängig prüfen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger prüft Ihre Elektrik, bevor die Wände geschlossen werden.

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