Das Wichtigste in Kürze:
- Sanitärinstallationen verschwinden hinter Wänden und unter Böden. Fehler fallen erst auf, wenn der Schaden da ist
- Die Druckprüfung der Trinkwasserleitungen ist Pflicht, wird aber nicht immer korrekt durchgeführt
- Fehlendes oder falsches Gefälle bei Abwasserleitungen führt zu Verstopfungen und Rückstau
- Schallschutz wird bei der Sanitärinstallation häufig vernachlässigt, obwohl die DIN 4109 klare Grenzwerte vorgibt
- Eine Prüfung vor dem Verschließen der Installationsschächte spart hohe Folgekosten
Die Sanitärinstallation gehört zu den Gewerken, bei denen Baumängel besonders teure Folgen haben. Ein undichtes Rohr hinter einer gefliesten Wand, eine Abwasserleitung ohne ausreichendes Gefälle, ein fehlendes Schallschutzelement an einer Steigleitung: Solche Fehler zeigen sich oft erst Monate nach dem Einzug. Dann muss aufgestemmt, freigelegt und repariert werden. Wer die Sanitärinstallation prüfen lässt, bevor die Leitungen hinter Vorwandkonstruktionen und Estrich verschwinden, erkennt diese Fehlerquellen rechtzeitig. Für Fürth und die Metropolregion bieten wir diese Prüfung im Rahmen der baubegleitenden Qualitätssicherung an.
Warum ist die Druckprüfung bei Trinkwasserleitungen so wichtig?
Die Druckprüfung ist der zentrale Nachweis dafür, dass die Trinkwasserinstallation dicht ist. Ohne bestandene Druckprüfung darf eine Trinkwasseranlage nicht in Betrieb genommen werden.
Der Ablauf nach DIN EN 806-4: Das Leitungssystem wird mit Wasser gefüllt, entlüftet und unter einen definierten Prüfdruck gesetzt. Dieser liegt üblicherweise beim 1,1-fachen des maximalen Betriebsdrucks, mindestens aber bei 11 bar. Der Druck wird über einen festgelegten Zeitraum gehalten und auf der Prüfpumpe abgelesen. Fällt der Druck ab, liegt eine Undichtigkeit vor.
In der Praxis treten dabei regelmäßig Fehler auf:
Prüfdruck zu niedrig: Manche Installateure prüfen mit dem regulären Hauswasserdruck (3 bis 5 bar) statt mit dem vorgeschriebenen Prüfdruck. Das reicht nicht aus, um kleine Undichtigkeiten zu erkennen, die unter Belastung tropfen.
Prüfdauer zu kurz: Die Norm schreibt eine Beobachtungszeit von mindestens 30 Minuten vor, nach einer Vorprüfung und einer Beruhigungsphase. In der Baustellenhektik wird diese Zeit gern abgekürzt. Schleichende Undichtigkeiten bleiben dann unentdeckt.
Mangelhafte Dokumentation: Die Druckprüfung muss protokolliert werden, mit Angabe von Prüfdruck, Prüfdauer, Temperatur und Ergebnis. Fehlt das Protokoll, gibt es keinen Nachweis für die Dichtheit. Im Schadensfall steht der Bauherr ohne Beleg da.
Prüfung nach dem Verschließen: Idealerweise wird die Druckprüfung durchgeführt, solange die Leitungen noch sichtbar sind. Ist die Vorwand bereits geschlossen, lässt sich bei einem Druckabfall nicht feststellen, wo die Undichtigkeit sitzt. Es muss wieder aufgestemmt werden.
Mehr zum Ablauf einer professionellen Baubegleitung finden Sie auf unserer Seite zur Baubegleitung für Fürth.
Welche Fehler passieren bei Abwasserleitungen am häufigsten?
Abwasserleitungen transportieren Schmutzwasser und Fäkalien im freien Gefälle. Damit das funktioniert, müssen Durchmesser, Gefälle und Verlegung exakt stimmen. Fehler in diesem Bereich führen zu Verstopfungen, Geruchsbelästigung und im schlimmsten Fall zu Rückstau ins Gebäude.
Falsches Gefälle: Die liegende Abwasserleitung braucht ein Mindestgefälle von 1 bis 2 Prozent (1 bis 2 cm Höhenunterschied pro Meter Leitungslänge). Zu wenig Gefälle: Das Wasser fließt zu langsam, Feststoffe lagern sich ab, die Leitung verstopft. Zu viel Gefälle: Das Wasser fließt zu schnell, die Feststoffe bleiben zurück, die Leitung verstopft ebenfalls. Die goldene Mitte muss getroffen werden.
Fehlende oder falsche Bögen: Richtungsänderungen in Abwasserleitungen dürfen nicht mit 90-Grad-Bögen ausgeführt werden. Stattdessen werden zwei 45-Grad-Bögen mit einem Zwischenstück oder ein 87-Grad-Bogen mit großem Radius verwendet. Scharfe Umlenkungen bremsen den Abfluss und begünstigen Verstopfungen.
Fehlende Reinigungsöffnungen: An vorgeschriebenen Stellen, etwa bei Richtungsänderungen über 45 Grad und in regelmäßigen Abständen, müssen Reinigungsöffnungen eingebaut werden. Fehlen sie, lässt sich eine verstopfte Leitung später nicht reinigen, ohne Bauteile zu öffnen.
Durchhängende Leitungen: Werden Abwasserleitungen nicht in ausreichend kurzen Abständen befestigt, hängen sie im Lauf der Zeit durch. An den Tiefpunkten sammeln sich Ablagerungen. Die Leitung verstopft wiederholt an derselben Stelle.
Fehlende Rückstausicherung: In Kellergeschossen und bei Entwässerungspunkten unterhalb der Rückstauebene (Straßenoberkante) ist eine Rückstausicherung vorgeschrieben. Fehlt sie, kann bei Starkregen oder Kanalüberlastung Abwasser aus der Kanalisation ins Gebäude zurückdrücken. Gerade bei Bauvorhaben für Fürth im Bereich des Rednitztals ist das ein relevantes Risiko.
Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch zu Ihrem Bauvorhaben.
Warum wird Schallschutz bei der Sanitärinstallation so oft vergessen?
Weil er auf der Baustelle keine sichtbare Funktion hat und sein Fehlen erst beim Wohnen auffällt.
Die DIN 4109 legt fest, welche Schallpegel aus gebäudetechnischen Anlagen in fremden Wohnungen maximal ankommen dürfen. Für Installationsgeräusche gilt ein Grenzwert von 30 dB(A) in schutzbedürftigen Räumen. Dieser Wert wird bei mangelhafter Ausführung regelmäßig überschritten.
Die typischen Fehlerquellen beim Schallschutz der Sanitärinstallation:
Körperschallbrücken: Rohrleitungen, die ohne Entkopplungselemente an tragenden Bauteilen befestigt sind, übertragen Körperschall direkt in die Gebäudestruktur. Jedes Mal wenn Wasser fließt oder die Toilette gespült wird, ist das in der Nachbarwohnung hörbar. Rohrbefestigungen müssen mit Gummi- oder Elastomereinlagen von der Wand getrennt werden.
Fehlende Rohrdämmung: Abwasser-Fallstränge und Sammelleitungen in Mehrfamilienhäusern müssen mit schallabsorbierendem Material ummantelt werden. Hochschalldämmende Rohrsysteme (DB-Rohre) sind deutlich leiser als Standard-HT-Rohre. In der Praxis wird häufig das billigere Standardmaterial verbaut, obwohl die Planung DB-Rohre vorsieht.
Vorwandinstallationen ohne Entkopplung: Vorwandkonstruktionen für WC, Waschtisch und Dusche müssen vom Baukörper entkoppelt sein. Steht das Metallständerwerk direkt auf dem Rohboden ohne Entkopplungsstreifen, wird der Trittschall aus dem Bad in den Raum darunter geleitet.
Durchbrüche ohne Manschetten: Wo Leitungen durch Decken und Wände geführt werden, müssen die Durchbrüche mit Brandschutz- und Schallschutzmanschetten versehen werden. Werden die Öffnungen nur mit Mörtel oder Schaum verschlossen, fehlt die Schallentkopplung.
Wer eine Immobilie kaufen möchte und den Schallschutz prüfen will, findet auf unserer Seite zur Hauskaufberatung für Fürth weitere Informationen.
Was ist bei Sanitärinstallationen in Fürther Altbauten besonders kritisch?
Fürth besitzt eine der höchsten Denkmaldichten in Bayern. Rund 90 Prozent der historischen Bausubstanz blieben im Zweiten Weltkrieg erhalten. Das bedeutet: Viele Gebäude in der Innenstadt, der Südstadt und entlang der Hornschuchpromenade haben Sanitärinstallationen, die im Lauf der Jahrzehnte mehrfach erneuert, erweitert oder geflickt wurden.
Typische Befunde bei Altbausanierungen für Fürth:
- Mischinstallationen aus verschiedenen Epochen: Gusseiserne Abwasserleitungen neben Kunststoffrohren, verzinkte Stahlrohre neben Kupferleitungen
- Bleirohre in Gebäuden vor 1970, die zwingend ausgetauscht werden müssen
- Fehlende oder verrottete Gummidichtungen an alten Gussrohren
- Nicht zugängliche Leitungsführungen hinter historischen Stuckdecken oder in gemauerten Schächten
- Unzureichende Dimensionierung für heutige Nutzungsanforderungen (Dusche, Waschmaschine, Geschirrspüler)
Bei denkmalgeschützten Gebäuden kommt hinzu, dass die Leitungsführung mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden muss. Aufputz-Verlegung oder sichtbare Steigleitungen werden dort oft verlangt, wo Eingriffe in historische Bausubstanz vermieden werden sollen.
Wenn Sie eine Sanierung planen oder eine Altbauimmobilie für Fürth prüfen lassen möchten, finden Sie Details zur Bauzustandsprüfung auf unserer Webseite.
Welche Prüfpunkte gehören zu einer Kontrolle der Sanitärinstallation?
Eine systematische Kontrolle der Sanitärinstallation umfasst die folgenden Bereiche:
Trinkwasser:
- Druckprüfungsprotokoll vorhanden und plausibel?
- Leitungsmaterial entspricht der Planung (Kupfer, Edelstahl, Verbundrohr)?
- Leitungsdämmung vorhanden und durchgängig (Energieeinsparung + Tauwasserschutz)?
- Absperrmöglichkeiten an jedem Strang und jeder Entnahmestelle?
- Warmwasserzirkulation korrekt angeschlossen (falls geplant)?
Abwasser:
- Gefälle der liegenden Leitungen gemessen (Wasserwaage, Neigungsmesser)?
- Bögen und Abzweige normgerecht (keine 90-Grad-Bögen liegend)?
- Reinigungsöffnungen an vorgeschriebenen Stellen?
- Befestigungsabstände eingehalten (keine Durchhänger)?
- Rückstausicherung im Keller vorhanden?
Schallschutz:
- Rohrbefestigungen mit Entkopplungselementen?
- Schallgedämmte Rohre (DB-System) wo geplant?
- Vorwandkonstruktionen vom Baukörper entkoppelt?
- Durchbruchsmanschetten an Decken- und Wanddurchführungen?
Brandschutz:
- Brandschutzmanschetten an allen Deckendurchführungen von Kunststoffrohren?
- Schottungen in Brandabschnitten korrekt ausgeführt?
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Häufige Fragen
Wann sollte die Sanitärinstallation geprüft werden?
Am besten in zwei Schritten: Erstens nach der Rohinstallation, wenn alle Leitungen verlegt aber noch sichtbar sind. Zweitens nach der Druckprüfung und vor dem Verschließen der Vorwandkonstruktionen und dem Einbringen des Estrichs.
Ist die Druckprüfung für Trinkwasserleitungen gesetzlich vorgeschrieben?
Ja. Die DIN EN 806-4 schreibt eine Druckprüfung für jede Trinkwasserinstallation vor. Ohne bestandene Druckprüfung darf die Anlage nicht vom Wasserversorger angeschlossen werden. Das Protokoll gehört in die Bauakte.
Woran erkenne ich selbst eine fehlerhafte Sanitärinstallation?
Sichtbare Anzeichen sind: Wasserflecken an Decken und Wänden, muffiger Geruch aus Abflüssen, gluckernde Geräusche beim Abfluss, ungewöhnlich laute Fließgeräusche in Nachbarräumen und schwankender Wasserdruck an den Entnahmestellen.
Was kostet eine Prüfung der Sanitärinstallation im Neubau?
Die Kosten hängen von der Gebäudegröße und der Anzahl der Nasszellen ab. Im Rahmen einer Baubegleitung wird die Sanitärinstallation zusammen mit anderen Gewerken geprüft. Details zu den Kosten finden Sie auf unserer Kostenseite.
Können Schallschutzprobleme nachträglich behoben werden?
Teilweise. Fehlende Rohrdämmung kann in zugänglichen Bereichen nachgerüstet werden. Körperschallbrücken an Befestigungen erfordern jedoch das Öffnen der Vorwand. In manchen Fällen hilft eine zusätzliche Vorsatzschale mit Dämmung, um die Schallübertragung zu reduzieren. Eine vollständige Lösung ist nachträglich selten möglich.
Gibt es bei Trinkwasserleitungen aus Kupfer etwas Besonderes zu beachten?
Kupfer ist ein bewährtes Material, verträgt sich aber nicht mit verzinktem Stahl in der gleichen Installation (Mischinstallation). Kupfer muss immer in Fließrichtung nach verzinktem Stahl eingebaut werden, sonst kommt es zu elektrochemischer Korrosion am Stahlrohr.
Wie erkenne ich Bleirohre in einem Altbau?
Bleirohre sind grau, weich (lassen sich mit dem Fingernagel einritzen) und haben bauchige Verbindungsstellen (Lötmuffen). Sie wurden bis etwa 1970 verbaut und müssen bei Trinkwassernutzung ausgetauscht werden. Der Grenzwert für Blei im Trinkwasser beträgt 10 Mikrogramm pro Liter.
Muss der Installateur die Druckprüfung selbst machen oder kann das ein unabhängiger Prüfer übernehmen?
Die Druckprüfung kann vom Installateur durchgeführt werden. Allerdings prüft er damit seine eigene Arbeit. Im Rahmen einer baubegleitenden Qualitätssicherung kann ein unabhängiger Sachverständiger bei der Druckprüfung anwesend sein und die korrekte Durchführung bestätigen.
Sie planen einen Neubau oder eine Sanierung für Fürth und möchten die Sanitärinstallation prüfen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger prüft Ihre Installation, bevor die Wände geschlossen werden.