DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Fürth
Baubegleitung & Qualitätssicherung 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Rohbauabnahme: Worauf es ankommt

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Rohbauabnahme ist der wichtigste Kontrollzeitpunkt im gesamten Bauprozess, weil Mängel danach nur noch schwer zugänglich sind
  • Geprüft werden Maßhaltigkeit, Ebenheit, Bewehrungsausführung und Abdichtungsarbeiten
  • Maßabweichungen bei Wänden und Decken sind nach DIN 18202 geregelt und müssen innerhalb der Toleranzen liegen
  • Bewehrungsfehler und fehlende Abdichtungen lassen sich nach dem Verputzen oder Verfüllen nicht mehr zerstörungsfrei kontrollieren
  • Ein unabhängiger Sachverständiger dokumentiert den Zustand und sichert Ihre Ansprüche gegenüber dem Bauunternehmer

Die Rohbauabnahme für Fürth und Umgebung ist der entscheidende Kontrollzeitpunkt beim Neubau. Sobald der Rohbau steht, also Fundamente, Wände, Decken und Dachstuhl fertiggestellt sind, werden die tragenden Strukturen durch Putz, Estrich und Verkleidungen verdeckt. Mängel, die bis dahin nicht erkannt wurden, bleiben über Jahrzehnte verborgen und verursachen im schlimmsten Fall gravierende Folgeschäden.

Was genau wird bei einer Rohbauabnahme geprüft?

Die Rohbauabnahme umfasst die systematische Prüfung aller tragenden und abdichtenden Bauteile. Im Mittelpunkt stehen vier Prüfbereiche: Maßhaltigkeit, Ebenheit, Bewehrung und Abdichtung.

Anders als bei einer späteren Abnahme des fertigen Gebäudes geht es beim Rohbau nicht um Oberflächen oder Ausstattung. Es geht um die Substanz, die das Gebäude über seine gesamte Lebensdauer trägt und schützt. Ein Riss in einer Innenwand lässt sich nach dem Einzug noch spachteln. Ein falsch eingebauter Bewehrungsanschluss in der Kellerdecke hingegen ist nach dem Betonieren nicht mehr korrigierbar.

Warum ist die Maßhaltigkeit so wichtig?

Maßabweichungen im Rohbau ziehen sich durch den gesamten weiteren Ausbau. Eine schiefe Wand bedeutet ungleichmäßige Putzdicken, Probleme bei der Montage von Einbauschränken und sichtbare Fugen bei Fußleisten und Fliesen.

Die DIN 18202 definiert zulässige Toleranzen für Ebenheit und Maßhaltigkeit. Für gemauerte Wände gilt bei einem Messpunktabstand von einem Meter eine zulässige Ebenheitsabweichung von 5 Millimetern. Bei Stahlbetonwänden sind es 5 Millimeter auf einen Meter und 10 Millimeter auf vier Meter. Die Lotabweichung einer Wand darf bei einer Geschosshöhe von drei Metern maximal 10 Millimeter betragen.

In der Praxis werden diese Toleranzen häufiger überschritten als Bauherren vermuten. Besonders bei Mauerwerk aus kleinformatigen Steinen oder bei Wänden mit Installationsschlitzen summieren sich Abweichungen schnell. Der Sachverständige misst mit Richtlatte, Wasserwaage und Laser systematisch und dokumentiert die Ergebnisse. Auf unserer Seite zur Baubegleitung erfahren Sie, wie eine professionelle Qualitätssicherung den gesamten Bauprozess begleitet.

Welche Rolle spielt die Bewehrung?

Die Bewehrung ist das Stahlskelett im Beton. Sie nimmt Zugkräfte auf, die der Beton allein nicht tragen kann. Fehler bei der Bewehrung sind nach dem Betonieren unsichtbar und betreffen die Standsicherheit des gesamten Gebäudes.

Typische Bewehrungsmängel sind: fehlende oder zu kurze Übergreifungslängen bei Bewehrungsstößen, zu geringe Betonüberdeckung (der Abstand zwischen Stahl und Betonoberfläche), fehlende Bügelbewehrung in Stützen und Unterzügen, verschobene oder fehlende Anschlussbewehrung an Wand-Decken-Knoten. Auch verdreckte oder verölte Bewehrungsstähle mindern den Verbund zwischen Stahl und Beton.

Die Betonüberdeckung ist besonders kritisch: Sie schützt den Stahl vor Korrosion. Bei einer Mindestüberdeckung von 30 Millimetern im Innenbereich und 40 Millimetern im Außenbereich entscheiden wenige Zentimeter darüber, ob der Bewehrungsstahl nach 20 Jahren korrodiert oder nach 80 Jahren noch intakt ist.

Der Sachverständige prüft die Bewehrung vor dem Betonieren: Lage, Abstände, Durchmesser, Übergreifungslängen und Betonüberdeckung. Diese Kontrolle dauert einige Stunden, kann aber Folgekosten verhindern, die ein Vielfaches der Prüfkosten betragen. Weitere Informationen zu typischen Ausführungsfehlern finden Sie unter Baumängel.

Was muss bei der Abdichtung beachtet werden?

Die Abdichtung gegen Feuchtigkeit gehört zu den häufigsten Fehlerquellen am Bau. Sie betrifft vor allem den Keller, den Sockelbereich und das Dach. Im Rohbauzustand sind die Abdichtungen noch sichtbar und prüfbar.

Bei Kellerabdichtungen nach DIN 18533 wird zwischen verschiedenen Wassereinwirkungsklassen unterschieden: Bodenfeuchte (W1.1-E), nicht drückendes Wasser (W1.2-E), drückendes Grundwasser (W2.1-E) und aufstauendes Sickerwasser (W2.2-E). Die gewählte Abdichtung muss zur tatsächlichen Wassereinwirkung passen. Ein häufiger Fehler ist die Wahl einer zu geringen Beanspruchungsklasse, weil das Bodengutachten nicht sorgfältig ausgewertet wurde.

In Fürth ist die Wassereinwirkung standortabhängig besonders zu beachten. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Pegnitz, Rednitz und Regnitz. In der Nähe der Flussauen kann der Grundwasserspiegel saisonal schwanken. Im Stadtteil Stadeln oder entlang der Rednitz in der Südstadt ist drückendes Wasser keine Seltenheit. Ein Bodengutachten vor Baubeginn klärt die tatsächlichen Verhältnisse.

Geprüft werden bei der Rohbauabnahme: die vollflächige und hohlraumfreie Verarbeitung der Abdichtung, die korrekte Ausführung an Durchdringungen (Rohrdurchführungen, Kabeleinführungen), der Anschluss der vertikalen an die horizontale Abdichtung und der Schutz der Abdichtung vor mechanischer Beschädigung beim Verfüllen der Baugrube. Kontaktieren Sie uns, bevor die Baugrube verfüllt wird, damit die Abdichtung noch geprüft werden kann.

Der richtige Zeitpunkt für den Sachverständigen

Die Rohbauabnahme ist kein einzelner Termin, sondern besteht idealerweise aus mehreren Begehungen zu den entscheidenden Bauphasen.

Der erste Termin findet nach Fertigstellung der Bodenplatte oder der Kellerdecke statt, also bevor die Abdichtung durch die Verfüllung verdeckt wird. Der zweite Termin erfolgt nach dem Mauern und vor dem Verputzen, wenn alle Wände auf Maßhaltigkeit und korrekte Ausführung geprüft werden können. Ein dritter Termin nach dem Aufstellen des Dachstuhls kontrolliert Holzverbindungen, Sparrenabstände und die Unterspannbahn.

Wer nur einen einzigen Termin einplant, sollte diesen nach Fertigstellung des gesamten Rohbaus und vor Beginn des Innenausbaus legen. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Bauteile noch sichtbar, auch wenn einzelne Details wie die Kellerabdichtung bereits verdeckt sein können. Detaillierte Informationen zur Bauabnahme finden Sie auf unserer Fachseite.

Besonderheiten bei Bauvorhaben für Fürth und Umgebung

Fürths Baugrund verdient besondere Aufmerksamkeit. Im Flusstal von Pegnitz und Rednitz steht häufig Schwemmsand an, der eine sorgfältige Gründung erfordert. Setzungsrisse in tragenden Wänden können auf eine unzureichende Gründung zurückgehen. Bei der Rohbauabnahme sollte der Sachverständige prüfen, ob die Bodenplatte oder Streifenfundamente den Empfehlungen des Bodengutachtens entsprechen.

In Gebieten mit historischer Bebauung, etwa in der Innenstadt oder der Südstadt mit ihren Gründerzeitquartieren, kommt es vor, dass Neubauten direkt neben denkmalgeschützten Gebäuden errichtet werden. Die Beweissicherung an Nachbargebäuden vor Baubeginn gehört dann zwingend zum Pflichtprogramm, um bei Rissbildungen durch Erschütterungen oder Grundwasserabsenkung beweisfähig dokumentiert zu sein.

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Häufige Fragen

Ist die Rohbauabnahme gesetzlich vorgeschrieben?

Die Bayerische Bauordnung kennt keine verpflichtende Rohbauabnahme mehr. Seit 2008 liegt die Verantwortung beim Bauherrn. Gerade deshalb ist die Beauftragung eines unabhängigen Sachverständigen umso wichtiger, da die behördliche Kontrolle entfallen ist.

Was kostet eine Rohbauabnahme für Fürth und Umgebung?

Die Kosten richten sich nach der Gebäudegröße und dem Umfang der Prüfung. Allgemeine Orientierungswerte finden Sie auf unserer Kostenseite.

Kann der Bauleiter die Rohbauabnahme übernehmen?

Der Bauleiter vertritt die Interessen des Bauunternehmens. Er hat kein wirtschaftliches Interesse daran, Mängel aufzudecken, die sein Unternehmen selbst zu verantworten hat. Ein unabhängiger Sachverständiger prüft ausschließlich im Interesse des Bauherrn.

Was passiert, wenn Mängel gefunden werden?

Gefundene Mängel werden dokumentiert und dem Bauunternehmer schriftlich zur Nachbesserung aufgegeben. Vor der Nachbesserung sollte der nächste Bauabschnitt nicht beginnen, damit die Mängelbeseitigung nicht durch nachfolgende Arbeiten erschwert wird.

Muss der Bauunternehmer den Sachverständigen auf die Baustelle lassen?

Der Bauherr hat als Auftraggeber das Recht, die Baustelle jederzeit zu betreten oder Dritte damit zu beauftragen. Dies ergibt sich aus dem Werkvertragsrecht. Der Bauunternehmer kann den Zutritt nicht verweigern.

Wie lange dauert eine Rohbauabnahme?

Je nach Gebäudegröße zwischen drei und sechs Stunden vor Ort. Die anschließende Dokumentation und Berichterstellung kommen hinzu. Bei einem Einfamilienhaus ist der Termin in der Regel an einem Vormittag erledigt.

Kann ein Mangel an der Bewehrung nachträglich behoben werden?

Nachträgliche Korrekturen an der Bewehrung sind nach dem Betonieren nur mit erheblichem Aufwand möglich, zum Beispiel durch Kernbohrungen und nachträgliches Verkleben von Bewehrungsstäben. Diese Maßnahmen sind teuer und erreichen selten die Qualität einer korrekt ausgeführten Erstbewehrung.

Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular, um die Rohbauabnahme für Ihr Bauvorhaben rechtzeitig zu planen.

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