DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Fürth
Baumängel & Bauschäden 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Pfusch am Bau erkennen: 7 Warnsignale für Bauherren

Das Wichtigste in Kürze:

  • Pfusch am Bau zeigt sich oft erst Monate nach Fertigstellung, wenn Gewährleistungsfristen bereits laufen
  • Sieben typische Warnsignale lassen sich auch ohne Fachwissen erkennen
  • Besonders kritisch sind fehlerhafte Abdichtungen, unsaubere Anschlüsse und mangelhafte Bewehrung
  • Dokumentation während der Bauphase ist entscheidend für spätere Ansprüche
  • Ein DEKRA-zertifizierter Sachverständiger kann Mängel frühzeitig aufdecken und bewerten

Pfusch am Bau ist kein Randproblem. Laut Bauherren-Schutzbund weist statistisch jeder Neubau in Deutschland rund 20 Mängel auf. Für Bauherren in Fürth, die einen Neubau errichten oder eine Bestandsimmobilie sanieren lassen, stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Wie erkenne ich Ausführungsfehler, bevor sie zu echten Schäden werden? Die folgenden sieben Warnsignale helfen Ihnen, Pfusch frühzeitig zu identifizieren.

Warum bleibt Pfusch am Bau so oft unentdeckt?

Die meisten Bauherren betreten ihre Baustelle regelmäßig, schauen sich um und haben das Gefühl, alles im Griff zu haben. Das Problem: Ohne bautechnisches Fachwissen erkennen Sie zwar offensichtliche Fehler wie schiefe Fliesen, aber nicht die wirklich teuren Mängel. Fehlerhafte Abdichtungen, falsch dimensionierte Bewehrung oder mangelhafter Wärmeschutz verbergen sich hinter Putz, Estrich und Verkleidungen.

Hinzu kommt Zeitdruck. Auf vielen Baustellen arbeiten mehrere Gewerke gleichzeitig. Was ein Gewerk verbaut, wird vom nächsten überdeckt. Eine fehlende Dampfsperre unter dem Estrich fällt erst auf, wenn der Boden aufquillt. Eine mangelhafte Kellerabdichtung zeigt sich erst beim nächsten Starkregen.

Signal 1: Ungleichmäßige Putzoberflächen und sichtbare Bewehrung

Putz soll eine gleichmäßige Oberfläche bilden. Wenn Sie deutliche Wellen, Beulen oder Abplatzungen in frisch verputzten Wänden sehen, stimmt etwas nicht. Entweder wurde der Untergrund nicht korrekt vorbereitet, oder die Putzdicke variiert zu stark.

Besonders kritisch wird es, wenn an Betonbauteilen Rost durchschlägt. Das bedeutet, dass die Betonüberdeckung der Bewehrung zu gering ist. Der Stahl korrodiert, dehnt sich aus und sprengt den Beton ab. Dieser Prozess ist nicht mehr umkehrbar und gefährdet langfristig die Tragfähigkeit.

Was Sie tun können: Fahren Sie mit der flachen Hand über den Putz. Spüren Sie deutliche Unebenheiten oder fühlt sich der Putz sandig und lose an, dokumentieren Sie die Stelle mit Foto und Maßband.

Signal 2: Fehlerhafte Fensteranschlüsse

Die Anschlüsse zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk gehören zu den häufigsten Fehlerquellen. Korrekt ausgeführt müssen sie von innen luftdicht und von außen schlagregendicht sein. Das Prinzip lautet: innen dichter als außen.

Warnsignale sind sichtbare Spalten zwischen Rahmen und Laibung, fehlende Anputzleisten, herausquellender Montageschaum an der Außenseite oder Zugluft bei geschlossenem Fenster. Montageschaum allein ist keine fachgerechte Abdichtung. Er ist nicht UV-beständig, nicht dampfdiffusionsoffen und erfüllt nicht die Anforderungen der RAL-Montage.

Gerade bei Sanierungsprojekten für Fürth, wo neue Fenster in historisches Mauerwerk eingesetzt werden, sind saubere Anschlüsse besonders anspruchsvoll. Sandsteinfassaden aus der Gründerzeit haben andere Toleranzen als modernes Mauerwerk.

Mehr zu typischen Mängeln bei Sanierung und Neubau finden Sie auf unserer Seite zu Baumängeln und Bauschäden.

Signal 3: Stehendes Wasser auf der Bodenplatte oder im Keller

Nach einem Regenguss sollte kein Wasser auf der Bodenplatte oder im Rohbau stehen bleiben. Wenn sich Pfützen bilden, die nicht abfließen, deutet das auf Gefälleprobleme oder fehlende Drainage hin.

Im Keller ist stehendes Wasser ein besonders ernstes Signal. Es kann auf eine fehlerhafte oder fehlende Abdichtung hindeuten. Schwarze Wanne, weiße Wanne oder Bitumenbahnen: Jede Abdichtungsart muss lückenlos ausgeführt werden. Schon eine einzige undichte Stelle reicht aus, damit Feuchtigkeit eindringt.

In Fürth spielt der Baugrund dabei eine wichtige Rolle. Im Flusstal von Rednitz und Pegnitz besteht der Untergrund häufig aus Schwemmsand. Der Grundwasserspiegel kann saisonal schwanken, was besondere Anforderungen an die Kellerabdichtung stellt.

Signal 4: Zeitdruck und häufiger Subunternehmerwechsel

Nicht jedes Warnsignal ist technischer Natur. Wenn auf Ihrer Baustelle ständig neue Gesichter auftauchen, die Gewerke wechseln und der Bauleiter selten vor Ort ist, steigt das Risiko für Ausführungsfehler erheblich.

Subunternehmer, die nur für einen Auftrag kommen, kennen die spezifischen Anforderungen Ihres Bauvorhabens oft nicht im Detail. Übergaben zwischen den Gewerken werden nachlässig dokumentiert. Das führt dazu, dass ein Gewerk die Fehler des vorigen überbaut, ohne sie zu bemerken oder zu melden.

Was Sie tun können: Führen Sie ein Bautagebuch. Notieren Sie bei jedem Besuch, welche Firmen vor Ort sind, welche Arbeiten laufen und ob der Bauleiter anwesend ist. Diese Dokumentation ist auch für spätere Gewährleistungsansprüche wertvoll.

Falls Sie bereits Zweifel an der Ausführungsqualität haben, kann eine begleitende Qualitätssicherung durch einen unabhängigen Sachverständigen sinnvoll sein. Informationen dazu finden Sie unter Baubegleitung für Fürth.

Signal 5: Risse im frischen Estrich oder Beton

Frischer Estrich und Beton brauchen Zeit zum Aushärten. Risse, die sich in den ersten Wochen nach dem Einbau zeigen, deuten auf Verarbeitungsfehler hin. Häufige Ursachen sind zu schnelles Trocknen, falsche Mischungsverhältnisse, fehlende Nachbehandlung oder zu frühes Begehen.

Besonders problematisch sind Risse in der Bodenplatte oder in tragenden Betonbauteilen. Hier kann es sich um Schwindrisse handeln, die zwar oft harmlos aussehen, aber Feuchtigkeit eintreten lassen. Bei bewehrtem Beton droht Korrosion der Stahleinlagen.

Faustregel: Haarrisse bis 0,2 mm Breite sind bei Estrich normal und unproblematisch. Ab 0,3 mm sollten die Risse dokumentiert und beobachtet werden. Ab 0,5 mm ist eine fachliche Beurteilung ratsam.

Signal 6: Fehlende oder mangelhafte Dampfsperre

Die Dampfsperre (korrekt: Dampfbremse) verhindert, dass warme, feuchte Raumluft in die Dämmebene eindringt und dort kondensiert. Fehlt sie oder ist sie beschädigt, entsteht Tauwasser in der Konstruktion. Die Folge: Durchfeuchtung, Schimmel und langfristiger Substanzverlust.

Das Problem: Die Dampfbremse wird in einem frühen Baustadium verlegt und ist danach nicht mehr sichtbar. Wenn sie fehlerhaft verklebt, an Durchdringungen nicht angeschlossen oder von Folgegewerken beschädigt wurde, merken Sie das als Bauherr erst, wenn Schäden auftreten.

Warnsignale nach Bezug sind Schimmelbildung an Dachschrägen, feuchte Stellen an der Innenseite von Außenwänden oder ein muffiger Geruch im Dachgeschoss. Dann ist der Schaden bereits eingetreten.

Falls Sie Schimmelbefall vermuten, finden Sie weitere Informationen auf unserer Seite zum Schimmelgutachten für Fürth.

Signal 7: Abweichungen vom Bauplan ohne Rücksprache

Änderungen am Bauplan während der Ausführung kommen vor. Sie können sinnvoll sein, etwa wenn der Boden andere Eigenschaften hat als im Gutachten angenommen. Problematisch wird es, wenn Änderungen ohne Ihr Wissen und ohne schriftliche Dokumentation vorgenommen werden.

Typische Beispiele: Eine Wand wird an anderer Stelle gesetzt als geplant. Leitungen werden anders geführt als in der Planung. Die Dämmstärke wird reduziert, weil das geplante Material nicht lieferbar war. Jede dieser Änderungen kann technische Konsequenzen haben.

Was Sie tun können: Vergleichen Sie regelmäßig den Ist-Zustand auf der Baustelle mit Ihren Bauplänen. Jede Abweichung sollte schriftlich vom Bauleiter begründet und von Ihnen freigegeben werden. Ohne diese Dokumentation wird es im Streitfall schwierig, Ihre Ansprüche durchzusetzen.

Wie können sich Bauherren in Fürth schützen?

Der beste Schutz gegen Pfusch am Bau ist eine baubegleitende Qualitätssicherung durch einen unabhängigen Sachverständigen. Anders als der Bauleiter, der zum ausführenden Unternehmen gehört, vertritt ein unabhängiger Gutachter ausschließlich Ihre Interessen als Bauherr.

Eine Baubegleitung umfasst typischerweise vier bis sechs Begehungen an kritischen Bauphasen: Bodenplatte, Rohbau, Dachstuhl, Fenstereinbau, Haustechnik und Endabnahme. Bei jeder Begehung werden die ausgeführten Arbeiten geprüft und dokumentiert, bevor das nächste Gewerk sie überdeckt.

Gerade bei Sanierungsprojekten an Gründerzeitgebäuden, wie sie in der Fürther Südstadt oder an der Hornschuchpromenade häufig vorkommen, ist bautechnisches Fachwissen besonders gefragt. Die Kombination aus historischer Substanz und modernen Anforderungen an Wärmeschutz und Haustechnik erfordert abgestimmte Lösungen.

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Häufige Fragen

Kann ich Pfusch am Bau auch nach der Abnahme noch reklamieren?

Ja. Die Gewährleistungsfrist beträgt bei VOB-Verträgen vier Jahre und bei BGB-Werkverträgen fünf Jahre ab Abnahme. Verdeckte Mängel, die erst später auftreten, können auch danach noch geltend gemacht werden, wenn der Mangel arglistig verschwiegen wurde.

Was kostet eine baubegleitende Qualitätssicherung?

Die Kosten richten sich nach Umfang und Anzahl der Begehungen. Gemessen an den möglichen Schadensummen, die durch unerkannte Mängel entstehen, ist die Investition in der Regel gering. Details finden Sie auf unserer Kostenseite.

Muss ich Mängel sofort bei der Abnahme rügen?

Alle erkannten Mängel sollten Sie bei der Abnahme schriftlich protokollieren. Mängel, die Sie bei der Abnahme übersehen, können Sie innerhalb der Gewährleistungsfrist nachträglich rügen. Allerdings kehrt sich nach der Abnahme die Beweislast um: Sie müssen dann nachweisen, dass der Mangel bei Übergabe bereits vorhanden war.

Ab welcher Rissbreite sollte ich mir Sorgen machen?

Haarrisse bis 0,2 mm sind bei Putz, Estrich und Beton normal. Risse zwischen 0,2 und 0,5 mm sollten beobachtet und dokumentiert werden. Ab 0,5 mm Breite oder bei diagonalem Verlauf über Fenster und Türen empfiehlt sich eine fachliche Beurteilung durch einen Sachverständigen.

Hilft ein Gutachten bei der Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen?

Ein Gutachten eines DEKRA-zertifizierten Sachverständigen dokumentiert Art, Umfang und Ursache eines Mangels. Im außergerichtlichen Streit wird es vom Bauunternehmer in der Regel akzeptiert. Im Gerichtsverfahren kann es als Privatgutachten vorgelegt werden.

Kann ich die Baubegleitung auch erst mittendrin beauftragen?

Ja. Auch wenn die Baubegleitung idealerweise vor Baubeginn startet, ist ein Einstieg in einer späteren Bauphase sinnvoll. Bereits ausgeführte Arbeiten können zumindest teilweise nachträglich geprüft werden, etwa durch Feuchtemessungen oder Thermografie.

Woran erkenne ich einen seriösen Bauunternehmer?

Seriöse Unternehmen legen Wert auf schriftliche Verträge mit klarer Leistungsbeschreibung, benennen einen festen Bauleiter, erstellen einen verbindlichen Bauzeitenplan und haben kein Problem mit einer unabhängigen Baubegleitung durch einen Sachverständigen Ihrer Wahl.

Sie haben den Verdacht, dass auf Ihrer Baustelle nicht sauber gearbeitet wird? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger prüft die Ausführungsqualität für Fürth und die gesamte Metropolregion.

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