Das Wichtigste in Kürze:
- Fassadenschäden verschlimmern sich mit jeder Frostperiode, frühes Handeln spart Folgekosten
- Putzreparatur, Neuverputzung, WDVS und Natursteinsanierung sind die gängigen Methoden
- Die Fürther Gründerzeit-Sandsteinfassaden erfordern spezialisierte Steinmetzbetriebe und materialgerechte Restaurierung
- Bei denkmalgeschützten Fassaden sind Materialwahl und Optik mit der Denkmalschutzbehörde abzustimmen
- Ein Sachverständiger klärt die Schadensursache, bevor repariert wird
Die Fassade ist das am stärksten beanspruchte Bauteil eines Gebäudes. Regen, Frost, UV-Strahlung und Luftschadstoffe greifen das Material über Jahrzehnte an. Irgendwann sind Risse, Abplatzungen oder Verfärbungen nicht mehr nur ein optisches Problem, sondern ein Zeichen dafür, dass die Bausubstanz Schaden nimmt. Wer eine Fassadensanierung für Fürth plant, steht vor der Frage: Welche Methode ist die richtige? Die Antwort hängt vom Material, vom Zustand und vom Denkmalschutzstatus ab. Dieser Artikel erklärt die gängigen Verfahren und worauf Sie bei der Umsetzung achten sollten.
Wann ist eine Fassadensanierung notwendig?
Nicht jeder Riss im Putz bedeutet sofortigen Handlungsbedarf. Aber bestimmte Anzeichen sollten Sie nicht ignorieren:
- Risse im Putz, die breiter als 0,3 mm sind oder sich sichtbar vergrößern
- Hohlstellen hinter dem Putz (erkennbar durch dumpfen Klang beim Klopfen)
- Absandungen bei Natursteinfassaden, bei denen sich die Oberfläche mehlig auflöst
- Salzausblühungen, die auf Feuchtigkeitstransport durch die Wand hindeuten
- Abplatzende Farbschichten oder Putzstücke, die sich lösen
- Algen- und Moosbewuchs, besonders an der Wetterseite
- Verfärbungen und nasse Stellen, die auf defekte Regenrinnen oder Fensterbänke hinweisen
Entscheidend ist: Die Schadensursache muss geklärt sein, bevor repariert wird. Wer einen Riss einfach überputzt, ohne die Ursache zu kennen, wird den Riss nach der nächsten Heizperiode wiederfinden. Setzungsrisse haben andere Ursachen als Putzrisse durch Temperaturspannungen oder Risse durch Feuchtigkeit im Mauerwerk.
Auf unserer Seite zu Bauschäden finden Sie weitere Informationen dazu, wie ein Sachverständiger Schadensbilder systematisch beurteilt.
Welche Methoden gibt es bei der Fassadensanierung?
Je nach Ausgangslage kommen verschiedene Verfahren in Frage. Die Wahl hängt vom Material der bestehenden Fassade, dem Schadensbild und den Anforderungen an Wärmeschutz und Optik ab.
Putzreparatur und Teilsanierung: Wenn der Putz nur stellenweise geschädigt ist, kann eine Teilsanierung ausreichen. Dabei wird der schadhafte Putz abgeschlagen und durch neuen ersetzt. Wichtig ist, dass der neue Putz materialverträglich zum bestehenden ist. Zementputz auf historischem Kalkputz verursacht Spannungsrisse und Feuchtigkeitsprobleme. Bei Altbauten sollte grundsätzlich mit Kalk- oder Kalkzementputz gearbeitet werden.
Vollständige Neuverputzung: Wenn der alte Putz großflächig hohl liegt oder durchfeuchtet ist, bleibt nur die Neuverputzung. Dabei wird der gesamte alte Putz abgeschlagen und das Mauerwerk freigelegt. Das bietet die Gelegenheit, den Zustand des Mauerwerks zu beurteilen und etwaige Risse oder Feuchtigkeitsschäden vor dem neuen Putzauftrag zu sanieren. Eine Neuverputzung ist aufwändig, da ein Gerüst notwendig ist und die Arbeiten witterungsabhängig sind.
Wärmedämmverbundsystem (WDVS): Ein WDVS besteht aus Dämmplatten, die auf die Fassade geklebt und verdübelt werden, einer Armierungsschicht und einem Oberputz. Es verbessert den Wärmeschutz erheblich und reduziert die Heizkosten. Gleichzeitig verändert es die Optik: Fenster rücken tiefer in die Wand, Gesimse und Fassadengliederungen verschwinden unter der Dämmschicht. Für schlichte Nachkriegsbauten und ungegliederte Fassaden ist WDVS oft die wirtschaftlichste Lösung. Bei historischen Fassaden ist es selten sinnvoll und bei Denkmälern in der Regel nicht zulässig.
Vorgehängte hinterlüftete Fassade: Bei dieser Methode wird eine Unterkonstruktion auf der bestehenden Wand befestigt, dazwischen Dämmung eingebracht und außen eine Bekleidung aus Schiefer, Holz, Faserzementplatten oder Metall montiert. Der Hinterlüftungsspalt sorgt für Feuchteabfuhr. Dieses System eignet sich besonders für Gebäude mit Feuchtigkeitsproblemen im Mauerwerk, da die Hinterlüftung die Wand trocknen lässt.
Welche Methode in Ihrem Fall sinnvoll ist, lässt sich erst nach einer Beurteilung des Bestands sagen. Mehr zum Ablauf einer solchen Prüfung erfahren Sie auf unserer Seite zur Sanierungsberatung.
Was ist bei Sandsteinfassaden der Fürther Gründerzeit zu beachten?
Fürth ist als Stadt des Historismus bekannt. Die Gründerzeitfassaden entlang der Hornschuchpromenade und der Königswarterstraße, erbaut zwischen 1883 und 1904, zählen zu den prächtigsten Ensembles Deutschlands. In der Südstadt prägen Arbeitermietshäuser mit Sandsteinfassaden ganze Straßenzüge. Diese Fassaden stellen besondere Anforderungen an die Sanierung.
Materialverhalten von Sandstein: Der in Fürth verbaute Sandstein ist ein poröses Sedimentgestein. Er nimmt Wasser auf und gibt es wieder ab. Dieses Saugverhalten ist kein Mangel, sondern eine natürliche Eigenschaft. Problematisch wird es, wenn das aufgenommene Wasser in Frostperioden gefriert und den Stein sprengt. Dieser Frostschaden zeigt sich als Absandung, Abschalung oder Abplatzung ganzer Steinschichten.
Typische Schadensbilder:
- Absandung: Die Oberfläche wird mehlig und löst sich körnig auf. Ursache ist meist Feuchtigkeitsbelastung in Verbindung mit Frost
- Abschalung: Steinschichten lösen sich schalenförmig vom Untergrund. Häufig durch Salzkristallisation im Stein verursacht
- Fugenverfall: Die Mörtelfugen zwischen den Steinen sind ausgewaschen oder gerissen. Wasser dringt hinter den Stein und beschleunigt den Verfall
- Gipskrusten: Schwefeldioxid aus der Luft reagiert mit dem Kalkbindemittel im Stein zu Gips. Die schwarzen Krusten sehen nicht nur unschön aus, sondern zerstören die Steinoberfläche darunter
Sanierungsmethoden bei Sandstein:
Die Sanierung von Sandsteinfassaden ist Spezialarbeit und erfordert erfahrene Steinmetzbetriebe. Zu den gängigen Verfahren gehören:
- Steinaustausch (Vierung): Stark geschädigte Steine werden herausgeschnitten und durch passendes Neumaterial ersetzt. Der Ersatzstein muss in Farbe, Körnung und Saugverhalten zum Bestand passen
- Steinergänzung mit Mörtelmasse: Bei kleineren Fehlstellen kann ein mineralischer Steinergänzungsmörtel aufgetragen werden. Das ist kostengünstiger als ein Steinaustausch, hält aber nur bei fachgerechter Ausführung dauerhaft
- Neuverfugung: Ausgewaschene oder gerissene Fugen werden ausgekratzt und mit geeignetem Mörtel neu verfugt. Zementmörtel ist bei Sandsteinfassaden tabu, da er härter als der Stein ist und diesen bei Temperaturbewegungen beschädigt. Verwendet wird Kalkmörtel oder hydraulischer Kalkmörtel
- Reinigung: Verschmutzungen und Gipskrusten werden schonend entfernt, etwa durch Niederdruckstrahlen mit Wasser oder Feinpartikeln. Hochdruckreiniger beschädigen den Sandstein und dürfen nicht eingesetzt werden
- Hydrophobierung: Nach der Sanierung kann eine wasserabweisende Imprägnierung aufgebracht werden, die das Eindringen von Schlagregenwasser reduziert. Diese muss dampfdiffusionsoffen sein, damit die Wand weiterhin atmen kann
Bei denkmalgeschützten Fassaden sind alle Maßnahmen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Fürth abzustimmen. Das gilt auch für den Farbton bei einem Neuanstrich und für die Art des Ersatzsteins.
Kontaktieren Sie uns, wenn Sie den Zustand Ihrer Fassade beurteilen lassen möchten.
Wie läuft eine Fassadensanierung ab?
Der Ablauf gliedert sich in mehrere Phasen:
Phase 1: Bestandsaufnahme und Schadensanalyse. Ein Sachverständiger begutachtet die Fassade und dokumentiert die Schäden. Dabei werden Rissverläufe, Hohlstellen, Feuchtigkeit und die Art des vorhandenen Putzes oder Steinmaterials festgehalten. Bei Verdacht auf tieferliegende Schäden kann eine Thermografie zusätzliche Erkenntnisse liefern.
Phase 2: Ursachenklärung. Risse und Feuchtigkeit haben Ursachen. Ist die Drainage defekt? Fehlen Tropfkanten an Fensterbänken? Hat sich das Fundament gesetzt? Erst wenn die Ursache behoben ist, macht eine Fassadenreparatur Sinn. Sonst kehren die Schäden nach kurzer Zeit zurück.
Phase 3: Planung und Genehmigung. Bei denkmalgeschützten Gebäuden wird die Maßnahme mit der Behörde abgestimmt. Bei nicht geschützten Gebäuden kann direkt geplant werden. Es wird festgelegt, welches Material zum Einsatz kommt, ob ein Gerüst notwendig ist und in welchem Zeitraum die Arbeiten stattfinden sollen. Fassadenarbeiten sind witterungsabhängig: Frost, starker Regen und pralle Sonne schränken die Ausführung ein.
Phase 4: Ausführung. Die handwerkliche Umsetzung beginnt in der Regel von oben nach unten. So wird vermieden, dass Schmutz und Material auf bereits fertige Bereiche fällt. Bei WDVS-Systemen beginnt man mit der Sockelschiene, verklebt die Dämmplatten, verdübelt sie und bringt die Armierung und den Oberputz auf. Bei Sandsteinsanierung arbeiten die Steinmetze abschnittsweise.
Phase 5: Abnahme und Dokumentation. Nach Abschluss der Arbeiten sollte das Ergebnis dokumentiert werden. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist die Dokumentation auch für die steuerliche Bescheinigung relevant.
Welche Fehler sollte man vermeiden?
Einige Fehler treten bei Fassadensanierungen immer wieder auf:
Zementputz auf altem Mauerwerk: Zementputz ist hart, dampfdicht und spröde. Auf weichem historischem Mauerwerk führt er zu Spannungsrissen und sperrt Feuchtigkeit in der Wand ein. Die Folge sind Frostschäden und Schimmelbildung auf der Innenseite.
Überstreichen statt Sanieren: Ein neuer Anstrich auf einer geschädigten Oberfläche hält nicht lange. Der Farbfilm platzt ab, sobald der darunterliegende Putz weiter verwittert. Bei Sandstein verschlimmert ein dampfdichter Anstrich das Problem, weil die Feuchtigkeit nicht mehr entweichen kann.
Hochdruckreinigung von Naturstein: Der Wasserstrahl beschädigt die Oberfläche und treibt Wasser tief in den Stein. Schonende Verfahren mit Niederdruck oder Partikelstrahlen sind die richtige Wahl.
Sanierung ohne Ursachenbeseitigung: Der häufigste Fehler. Die Fassade wird repariert, aber die defekte Dachrinne, die undichte Fensterbank oder die fehlende Tropfkante bleibt. Nach ein bis zwei Jahren zeigen sich die gleichen Schäden erneut.
Eine gutachterliche Beurteilung vor der Sanierung stellt sicher, dass die Ursache erkannt und behoben wird, bevor in die Reparatur investiert wird.
Verwandte Themen
- Energetische Sanierung: Wo anfangen?
- Holzbalkendecke sanieren: Statik und Schallschutz
- Schimmel im Kinderzimmer: Gesundheitsrisiken und Soforthilfe
Häufige Fragen
Wie oft muss eine Fassade saniert werden?
Das hängt vom Material und der Witterungsbelastung ab. Ein gut ausgeführter Putz hält 30 bis 50 Jahre. Sandsteinfassaden brauchen je nach Exposition alle 20 bis 40 Jahre Pflegemaßnahmen. Regelmäßige Sichtkontrollen helfen, Schäden frühzeitig zu erkennen und mit kleinen Reparaturen größere Sanierungen hinauszuzögern.
Kann ich die Fassadensanierung selbst durchführen?
Einfache Putzreparaturen an unproblematischen Stellen sind für handwerklich geschickte Eigentümer machbar. Bei WDVS-Systemen, Sandsteinsanierung und denkmalgeschützten Gebäuden ist das keine Eigenleistung. Fehler bei der Ausführung verursachen teure Folgeschäden.
Brauche ich eine Baugenehmigung für die Fassadensanierung?
Für eine Instandsetzung in gleicher Art und gleichem Material in der Regel nicht. Sobald sich das Erscheinungsbild ändert, etwa durch ein WDVS, eine andere Farbe oder veränderte Fensteröffnungen, kann eine Genehmigung erforderlich sein. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist grundsätzlich eine Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde notwendig.
Was kostet eine Fassadensanierung?
Die Kosten variieren stark nach Methode, Material und Zustand. Eine pauschale Angabe ist nicht seriös. Die Kosten für ein Gerüst, die handwerkliche Ausführung und das Material müssen im Einzelfall kalkuliert werden. Ein Sachverständiger kann den Umfang der notwendigen Maßnahmen einschätzen. Informationen zum Ablauf finden Sie auf unserer Kostenseite.
Ist ein WDVS bei jedem Gebäude sinnvoll?
Nein. Bei Gebäuden mit Feuchtigkeitsproblemen im Mauerwerk kann ein WDVS die Austrocknung behindern. Bei historischen Fassaden mit Gliederung, Gesimsen und Stuck geht der architektonische Charakter verloren. Bei Sandsteinfassaden ist ein WDVS technisch und optisch keine Option. Die Alternative ist eine Innendämmung oder eine vorgehängte hinterlüftete Fassade.
Was passiert, wenn ich Fassadenschäden ignoriere?
Risse und offene Stellen lassen Wasser in die Wand eindringen. Im Winter gefriert das Wasser und sprengt das Material weiter auf. Die Schäden vergrößern sich mit jeder Frostperiode. Irgendwann ist nicht nur der Putz betroffen, sondern das Mauerwerk dahinter. Dann wird die Sanierung um ein Vielfaches teurer.
Mein Haus hat eine Sandsteinfassade. An wen wende ich mich?
Für die Schadensbeurteilung an einen Bausachverständigen, für die Ausführung an einen spezialisierten Steinmetzbetrieb. Wichtig ist, dass der ausführende Betrieb Erfahrung mit dem regionalen Sandstein hat. Nicht jeder Steinmetz kennt sich mit den Besonderheiten fränkischer Sandsteine aus.
Wie finde ich heraus, ob meine Fassade denkmalgeschützt ist?
Die Bayerische Denkmalliste ist öffentlich einsehbar. Die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Fürth gibt verbindlich Auskunft. Beachten Sie: Auch Gebäude in der Nähe von Denkmälern können Auflagen unterliegen, wenn sie Teil eines geschützten Ensembles sind.
Sie möchten den Zustand Ihrer Fassade für Fürth beurteilen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger berät Sie unverbindlich.