DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Fürth
Sanierung & Modernisierung 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Elektrik im Altbau erneuern: Wann ist es Pflicht?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Alte TN-C-Netze (klassische Nullung) ohne separaten Schutzleiter sind ein erhebliches Sicherheitsrisiko
  • FI-Schutzschalter (RCDs) sind bei Renovierungen in Bädern und Außenbereichen seit der DIN VDE 0100-410 Pflicht
  • Aluminium-Leitungen aus den 1960er und 70er Jahren sind besonders brandgefährdet
  • Bei Eigentümerwechsel besteht keine generelle Pflicht zur Erneuerung, aber eine Verkehrssicherungspflicht
  • In Fürther Gründerzeitbauten liegt häufig noch die Originalinstallation aus der Kaiserzeit

Die Elektrik im Altbau zu erneuern ist ein Thema, das viele Eigentümer vor sich herschieben. Die Installation funktioniert, das Licht geht an, die Steckdosen liefern Strom. Warum also investieren? Weil veraltete Elektroinstallationen eine der häufigsten Brandursachen in Wohngebäuden sind. Laut dem Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) gehen rund 30 Prozent aller Wohnungsbrände auf elektrische Ursachen zurück. Gerade in Altbauten für Fürth, wo Gebäude aus der Gründerzeit noch mit Installationen aus den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ausgestattet sein können, ist das Risiko real.

Was ist der Unterschied zwischen TN-C und TN-S-Netz?

Die Netzform der Elektroinstallation bestimmt, wie der Schutz gegen elektrischen Schlag organisiert ist. Dieser Unterschied ist für die Sicherheit entscheidend.

TN-C-Netz (klassische Nullung): Bei dieser bis in die 1970er Jahre üblichen Installationsform übernimmt ein einziger Leiter (der PEN-Leiter) zwei Funktionen gleichzeitig: Er dient als Neutralleiter (Rückleitung des Betriebsstroms) und als Schutzleiter (Erdung der Gehäuse). Das Problem: Wenn dieser PEN-Leiter unterbrochen wird, etwa durch Korrosion an einer Klemmstelle, liegt an allen angeschlossenen Metallgehäusen (Waschmaschine, Herd, Lampen mit Metallkörper) die volle Netzspannung an. Ein Berühren kann tödlich sein. Gleichzeitig gibt es kein Warnsignal. Die Geräte funktionieren weiter, nur die Schutzfunktion ist ausgefallen.

TN-S-Netz (modernes System): Hier sind Neutralleiter (N) und Schutzleiter (PE) ab dem Hausanschluss getrennt geführt. Jede Leitung besteht aus drei Adern bei Einphasen-Anschlüssen (Phase, Neutral, Schutzleiter) oder fünf Adern bei Drehstrom. Der separate Schutzleiter stellt sicher, dass bei einem Fehler der Fehlerstrom über den PE abfließt und die vorgeschaltete Sicherung oder der FI-Schutzschalter auslöst.

In vielen Fürther Altbauten, insbesondere in der Südstadt und in den Gründerzeitquartieren, ist noch das TN-C-System installiert. Erkennbar ist es an den zweiadrigen Leitungen (nur Phase und PEN, kein separater grün-gelber Schutzleiter) und am Fehlen von FI-Schutzschaltern in der Verteilung.

Wenn Sie ein Gebäude für Fürth erwerben möchten, sollten Sie den Zustand der Elektrik unbedingt vor dem Kauf prüfen lassen. Auf unserer Seite zur Hauskaufberatung erfahren Sie, welche Punkte eine Kaufberatung umfasst.

Wann ist die Erneuerung der Elektrik Pflicht?

Eine generelle gesetzliche Pflicht, die Elektroinstallation in bestehenden Wohngebäuden zu erneuern, gibt es nicht. Die Anlage darf grundsätzlich im Zustand des Errichtungszeitpunkts weiter betrieben werden, solange sie nicht verändert wird (Bestandsschutz). Dieser Bestandsschutz hat aber Grenzen.

Bei Renovierung und Umbau: Sobald Sie wesentliche Änderungen an der Elektroinstallation vornehmen, müssen die geänderten Bereiche den aktuellen Normen (DIN VDE 0100) entsprechen. Wenn Sie also ein Bad renovieren und neue Steckdosen setzen, müssen diese Stromkreise mit einem FI-Schutzschalter (30 mA Auslösestrom) abgesichert werden. Das gilt auch für Außensteckdosen und Waschmaschinenanschlüsse.

Bei Nutzungsänderung: Wird ein Dachgeschoss zu Wohnraum ausgebaut oder ein Gewerberaum zur Wohnung umgewidmet, gelten die Anforderungen der aktuellen VDE-Normen für die gesamte neue Nutzungseinheit.

Verkehrssicherungspflicht: Als Vermieter oder Eigentümer einer vermieteten Wohnung tragen Sie die Verkehrssicherungspflicht. Wenn Sie wissen oder wissen müssten, dass die Elektroinstallation ein Sicherheitsrisiko darstellt, und Sie nichts unternehmen, haften Sie bei einem Personenschaden. Das gilt auch bei unverändertem Bestand.

Versicherungsrelevanz: Gebäudeversicherer können die Leistung kürzen oder verweigern, wenn ein Brand auf eine erkennbar mangelhafte Elektroinstallation zurückzuführen ist. Eine nachweislich veraltete Installation ohne FI-Schutz kann als grob fahrlässig gewertet werden.

Mehr über Schäden und deren Bewertung erfahren Sie auf unserer Seite zu Bauschäden.

Welche Brandgefahren gehen von alter Elektrik aus?

Die Brandgefahr bei alter Elektrik entsteht durch mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.

Überlastung der Leitungen: Altbau-Installationen wurden für einen Strombedarf bemessen, der weit unter dem heutigen liegt. Ein typischer Gründerzeit-Haushalt hatte eine elektrische Beleuchtung und vielleicht ein Bügeleisen. Heute hängen an denselben Leitungen Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler, Herd, Mikrowelle, Computer und Unterhaltungselektronik. Die Leitungsquerschnitte (oft nur 1,5 Quadratmillimeter) und die Absicherung (Schmelzsicherungen mit 16 oder 20 Ampere) sind darauf nicht ausgelegt. Überlastete Leitungen erwärmen sich, die Isolierung altert schneller, und an Klemmstellen entstehen Übergangswiderstände, die sich zu Schwelbränden entwickeln können.

Aluminium-Leitungen: In den 1960er und 70er Jahren wurden aus Kostengründen Aluminium-Leitungen verbaut. Aluminium hat eine andere Wärmedehnung als Kupfer und neigt dazu, unter Klemmkontakten zu fließen (Kaltfluss). Die Kontaktstellen lockern sich mit der Zeit, der Übergangswiderstand steigt, und die Klemmstelle wird zum Hitzepunkt. Aluminium-Leitungen gelten heute als besonders brandgefährdet und sollten bei einer Sanierung vollständig ersetzt werden.

Alterung der Isolierung: Leitungen aus der Vorkriegszeit haben oft eine Isolierung aus gummiertem Gewebe oder getränktem Papier. Dieses Material wird im Laufe der Jahrzehnte spröde und brüchig. Risse in der Isolierung können Kurzschlüsse verursachen, besonders in Bereichen mit Bewegung (Schalterdosen, Abzweigdosen) oder Feuchtigkeit.

Fehlende Schutzeinrichtungen: Ohne FI-Schutzschalter werden Fehlerströme (Strom, der über den Körper oder über feuchte Wände zur Erde fließt) nicht erkannt. Das Risiko für tödliche Stromunfälle und für Brände durch Fehlerlichtbögen ist bei Anlagen ohne FI deutlich höher.

Kontaktieren Sie uns, wenn Sie den Zustand der Elektroinstallation in einem Altbau beurteilen lassen möchten.

Wie läuft die Erneuerung der Elektrik im Altbau ab?

Eine vollständige Erneuerung der Elektroinstallation in einem Altbau ist ein erheblicher Eingriff, der mit anderen Sanierungsmaßnahmen koordiniert werden sollte.

E-Check und Bestandsaufnahme: Zunächst wird der Ist-Zustand erfasst. Ein Elektrofachbetrieb prüft die vorhandene Installation auf Sicherheit, Netzform, Leitungsquerschnitte, Absicherung und Zustand der Verteilung. Das Ergebnis ist ein E-Check-Protokoll mit einer Bewertung nach dem Ampelprinzip (keine Mängel, geringe Mängel, erhebliche Mängel, Gefahr in Verzug).

Planung: Auf Basis der Bestandsaufnahme wird die neue Installation geplant. Anzahl und Position der Steckdosen und Schalter, Aufteilung der Stromkreise, Dimensionierung des Zählerschranks und der Verteilung. Moderne Installationen sehen pro Raum mindestens einen eigenen Stromkreis vor, für Küche und Bad jeweils mehrere.

Ausführung: Die Leitungen werden in der Regel in der Wand verlegt (Unterputz). Dafür müssen Schlitze gestemmt werden, was bei Gründerzeitbauten mit weichem Sandsteinmauerwerk technisch meist unproblematisch ist, aber Staub und Lärm verursacht. Bei denkmalgeschützten Gebäuden für Fürth kann die Denkmalschutzbehörde Auflagen machen, etwa das Verbot von Schlitzen in historischem Mauerwerk. In solchen Fällen wird die Leitungsführung über den Fußbodenaufbau oder in Sockelleistenkanälen realisiert.

Inbetriebnahme und Dokumentation: Nach der Installation erfolgt die Erst- und Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0100-600. Der Elektrofachbetrieb dokumentiert die gesamte Anlage mit einem Prüfprotokoll, einem Schaltplan und einer Übersicht der Stromkreise. Diese Unterlagen sollten Sie dauerhaft aufbewahren.

Was ist bei Altbauten für Fürth besonders zu beachten?

Fürth hat eine der am besten erhaltenen Gründerzeit-Bebauungen Deutschlands. Rund 90 Prozent der historischen Bausubstanz überstanden den Zweiten Weltkrieg. Das bedeutet auch, dass in vielen Gebäuden der Südstadt, entlang der Hornschuchpromenade oder in der Altstadt die elektrische Installation mehrere Generationen durchlaufen hat, ohne vollständig erneuert worden zu sein.

Typisch für Fürther Gründerzeitbauten sind Installationen aus verschiedenen Epochen, die übereinander geschichtet wurden: Reste der Originalinstallation aus der Kaiserzeit (Aufputzleitungen mit Porzellanrollen), Ergänzungen aus den 1950er und 60er Jahren (Gummileitungen, Bakelitschalter) und punktuelle Modernisierungen aus jüngerer Zeit (einzelne Unterputzsteckdosen, eventuell ein FI-Schutzschalter im Bad). Das Ergebnis ist ein Flickwerk, bei dem niemand mehr den vollständigen Überblick hat, welche Leitung wohin führt und wie sie abgesichert ist.

Der Sandstein, der in vielen Fürther Gebäuden als Mauerwerk verwendet wurde, ist relativ weich und lässt sich gut schlitzen. Gleichzeitig ist er feuchtigkeitsempfindlich. Aufsteigende Feuchtigkeit im Rednitz-Pegnitz-Tal kann dazu führen, dass Unterputzleitungen in feuchtem Mauerwerk liegen. In Kombination mit einer beschädigten Isolierung erhöht das die Brandgefahr zusätzlich. Eine Bauthermografie kann Feuchtezonen im Mauerwerk sichtbar machen, die für die Elektroplanung relevant sind.

Bei über 2.000 Einzeldenkmälern in Fürth stehen viele der betroffenen Gebäude unter Denkmalschutz. Die Installation muss dann so geplant werden, dass historische Oberflächen (Stuck, Wandmalereien, Holzvertäfelungen) nicht beschädigt werden. Aufputzinstallationen in denkmalgeschützten Treppenhäusern werden von der Behörde in der Regel abgelehnt.

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Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob meine Elektroinstallation veraltet ist?

Typische Hinweise sind: Schmelzsicherungen statt Leitungsschutzschalter, nur zweiadrige Leitungen (kein grün-gelber Schutzleiter), Aufputzleitungen auf Porzellanrollen, Bakelitschalter und -steckdosen, keine FI-Schutzschalter in der Verteilung und zu wenige Steckdosen (typisch: zwei pro Raum).

Muss ich die gesamte Elektrik auf einmal erneuern?

Nicht zwingend. Eine abschnittsweise Erneuerung ist möglich, etwa zuerst Bad und Küche, dann die Wohnräume. Allerdings muss die Verteilung (Sicherungskasten) in der Regel komplett umgebaut werden, um die neuen Stromkreise mit FI-Schutz aufzunehmen. Das ist der wirtschaftlichste Zeitpunkt für eine Gesamterneuerung.

Kann ein Sachverständiger die Elektrik beurteilen?

Ein Bausachverständiger beurteilt den Gesamtzustand eines Gebäudes und erkennt offensichtliche Mängel der Elektroinstallation, etwa fehlende Schutzleiter, sichtbar beschädigte Leitungen oder eine veraltete Verteilung. Für die detaillierte elektrotechnische Prüfung (E-Check) ist ein zugelassener Elektrofachbetrieb zuständig. Beide Prüfungen ergänzen sich sinnvoll.

Was passiert bei einem Brandschaden durch alte Elektrik?

Wenn nachgewiesen wird, dass der Brand auf eine erkennbar mangelhafte Elektroinstallation zurückzuführen ist, kann die Gebäudeversicherung die Leistung kürzen. Als Vermieter haften Sie unter Umständen persönlich, wenn Sie die Verkehrssicherungspflicht verletzt haben. Die Dokumentation eines E-Checks kann im Schadensfall belegen, dass Sie Ihrer Prüfpflicht nachgekommen sind.

Sind FI-Schutzschalter Pflicht?

Bei Neubauten und wesentlichen Änderungen der Elektroinstallation sind FI-Schutzschalter (RCDs) nach DIN VDE 0100-410 für alle Steckdosenstromkreise bis 32 Ampere Pflicht. Bei unveränderten Bestandsanlagen besteht keine Nachrüstpflicht, aber eine dringende Empfehlung. Insbesondere in Bädern und Küchen ist die Nachrüstung ein Mindestmaß an Sicherheit.

Darf ich elektrische Arbeiten selbst durchführen?

Nein. Elektrische Installationsarbeiten dürfen nur von eingetragenen Elektrofachbetrieben ausgeführt werden. Der Fachbetrieb meldet die Anlage beim Netzbetreiber an und stellt die Inbetriebnahmeprüfung aus. Eigenleistungen an der Elektrik sind nicht nur verboten, sondern auch versicherungsrechtlich problematisch.

Was kostet die Erneuerung der Elektrik im Altbau?

Die Kosten hängen vom Umfang, der Zugänglichkeit und den baulichen Gegebenheiten ab. Pauschalangaben sind nicht seriös. Entscheidend sind die Anzahl der Stromkreise, die Leitungsführung und ob Unterputz- oder Aufputzinstallation möglich ist. Eine vorherige Bestandsaufnahme durch einen Fachbetrieb liefert eine belastbare Kostenschätzung.

Kann ich den E-Check als Verkaufsargument nutzen?

Ja. Ein aktueller E-Check dokumentiert den Zustand der Elektroinstallation und gibt Käufern Sicherheit. Umgekehrt sollten Sie als Käufer einen E-Check verlangen, wenn der Verkäufer keinen vorlegen kann. Auf unserer Seite zur Hauskaufberatung erfahren Sie, welche Unterlagen Sie vor dem Kauf einfordern sollten.

Sie möchten den Zustand der Elektrik in einem Altbau für Fürth beurteilen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger berät Sie unverbindlich.

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