Das Wichtigste in Kürze:
- Die Dachabnahme ist einer der wichtigsten Schritte bei Neubau und Dachsanierung
- Dachziegel, Unterspannbahn, Dämmung, Anschlüsse und Entwässerung müssen systematisch geprüft werden
- Mängel am Dach verursachen Folgeschäden an Dämmung, Holzkonstruktion und Innenräumen
- Viele Dachfehler sind von unten nicht sichtbar und werden erst bei Wassereintritt bemerkt
- Ein Sachverständiger erkennt Ausführungsfehler, die dem Laien verborgen bleiben
Die Dachabnahme gehört zu den Bauabschnitten, die Bauherren am häufigsten unterschätzen. Dabei schützt das Dach das gesamte Gebäude vor Witterung, und jeder Fehler in der Ausführung kann langfristige Schäden nach sich ziehen. Für Fürth und Umgebung begleitet Sachverständiger Jörg Aichinger Dachabnahmen sowohl bei Neubauten als auch bei der Sanierung älterer Gebäude. Die folgenden Prüfpunkte zeigen, worauf Sie als Bauherr achten sollten.
Was wird bei einer Dachabnahme geprüft?
Bei der Dachabnahme wird die fachgerechte Ausführung aller Dachkomponenten überprüft. Das umfasst die Eindeckung, die Unterkonstruktion, die Wärmedämmung, sämtliche Anschlüsse und die Dachentwässerung.
Eine Dachabnahme ist kein flüchtiger Blick aufs fertige Dach. Sie erfordert systematisches Vorgehen, Zugang zum Dachraum und bei geneigten Dächern idealerweise auch eine Begehung der Dachfläche von außen. Viele Mängel sind nur von oben oder aus dem Dachraum heraus erkennbar.
Bei einer baubegleitenden Qualitätssicherung wird die Dachabnahme als eigenständiger Prüfschritt eingeplant, bevor die Dachfläche geschlossen und der Innenausbau fortgesetzt wird.
Worauf muss man bei Dachziegeln und Eindeckung achten?
Die Dacheindeckung ist die erste Verteidigungslinie gegen Regen, Schnee und Wind. Fehler in der Verlegung zeigen sich oft erst bei starkem Schlagregen oder Schneelast.
Verlegemuster und Überdeckung: Jeder Dachziegeltyp hat ein vorgeschriebenes Mindestüberdeckungsmaß. Wird dieses unterschritten, kann Wasser kapillar unter die Ziegel gezogen werden. Prüfen Sie, ob die Ziegel gleichmäßig liegen und keine Versätze in den Reihen erkennbar sind.
Firstziegel und Gratziegel: Die Abdeckung von First und Grat muss lückenlos sein. Offene Fugen oder fehlende Mörteleinbettung ermöglichen Wassereintritt und bieten Vögeln und Mardern Zugang zum Dachraum.
Ortgang: Der seitliche Dachabschluss muss sauber ausgeführt sein. Ortgangziegel müssen fest sitzen und dürfen nicht überstehen oder zu weit zurückgesetzt sein.
Sturmklammern: In windexponierten Lagen oder bei Dachneigungen unter 22 Grad müssen Ziegel zusätzlich mit Sturmklammern gesichert sein. Die Fachregeln des ZVDH (Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks) geben vor, in welchen Zonen wie viele Klammern nötig sind. Randbereich und Eckbereich erfordern mehr Klammern als die Innenfläche.
Wenn Sie Auffälligkeiten an der Dacheindeckung bemerken, kann ein Blick auf unsere Seite zu Baumängeln hilfreich sein.
Wie erkennt man Mängel an der Dämmung?
Die Dachdämmung ist von innen und außen zu prüfen, solange sie noch zugänglich ist. Nach dem Einbau der Innenverkleidung sind Fehler nur noch mit Messgeräten oder durch Rückbau erkennbar.
Lücken und Fugen: Dämmplatten oder Dämmbahnen müssen vollflächig und ohne Lücken zwischen den Sparren sitzen. Jede Fuge ist eine Wärmebrücke, an der sich Kondensat bilden kann. Besonders kritisch sind Übergänge an Pfetten, Kehlbalken und Ringanker.
Dampfbremse: Die Dampfbremse (oder Dampfsperre) verhindert, dass feuchtwarme Raumluft in die Dämmung eindringt und dort kondensiert. Sie muss lückenlos verlegt und an allen Durchdringungen (Kabel, Rohre, Dachfenster) verklebt sein. Schon kleine Risse oder offene Überlappungen reichen aus, um langfristig Feuchteschäden in der Konstruktion zu verursachen.
Unterspannbahn: Auf der Außenseite der Dämmung schützt die Unterspannbahn (oder Unterdeckbahn) vor Flugschnee und Kondensat von der Eindeckung. Sie muss fachgerecht überlappend verlegt und an den Traufen in die Rinne geführt sein. Risse, Löcher oder lose Befestigungen sind häufige Mängel.
Bereits nach wenigen Jahren können unsichtbare Dämmfehler zu erheblichen Folgeschäden führen. Eine Thermografie-Untersuchung kann Wärmebrücken und Leckagen in der Gebäudehülle aufdecken, auch wenn die Verkleidung bereits geschlossen ist.
Kontaktieren Sie uns, wenn Sie vor oder nach der Dachabnahme Unterstützung brauchen.
Welche Anschlüsse sind besonders schadensträchtig?
Die meisten Undichtigkeiten am Dach treten nicht in der Fläche auf, sondern an den Anschlüssen. Überall dort, wo das Dach auf eine Wand trifft, ein Fenster eingebaut ist oder ein Rohr die Dachhaut durchdringt, muss sorgfältig abgedichtet werden.
Kaminanschluss: Die Anschlussbleche am Schornstein müssen in eine Mauerwerksfuge eingebunden und dauerelastisch versiegelt sein. Häufige Fehler: Bleche nur aufgeklebt statt eingemörtelt, fehlende Dehnungsmöglichkeit bei Temperaturwechseln.
Dachfenster: Der Einbaurahmen muss mit der Unterspannbahn und der Dampfbremse lückenlos verbunden sein. Die Herstellervorgaben für den Einbau sind verbindlich. In der Praxis werden Anschlüsse häufig nur provisorisch mit Klebeband fixiert, statt fachgerecht verschweißt oder verklebt.
Wandanschlüsse: Dort, wo ein Pultdach oder Anbaudach an eine aufgehende Wand stößt, wird eine Anschlussabdichtung mit Blech und Dichtband benötigt. Fehlt diese oder ist sie undicht, läuft Regenwasser hinter die Wandverkleidung und durchfeuchtet die Konstruktion.
Lüftungsrohre und Antennenmasten: Jede Durchdringung der Dachfläche muss mit passenden Manschetten abgedichtet sein. Provisorische Abdichtungen mit Silikon halten selten länger als ein bis zwei Jahre.
Was muss bei der Dachentwässerung stimmen?
Die Dachentwässerung führt Regenwasser kontrolliert vom Dach ab. Fehler in der Dimensionierung, Verlegung oder Anbindung verursachen Rückstau, Überläufe und Feuchteschäden an Fassade und Fundament.
Dachrinnen: Die Rinne muss ein durchgehendes Gefälle zum Fallrohr haben. Stehendes Wasser in der Rinne deutet auf eine falsche Ausrichtung hin. Die Rinnenhalter müssen fest und in gleichmäßigen Abständen montiert sein. Verzogene Rinnen sind ein häufiger Mangel nach dem Gerüstabbau.
Fallrohre: Die Anbindung an die Rinne muss dicht sein. Am Boden muss das Fallrohr in einen Grundleitungsanschluss oder einen Spritzschutz münden. Wasser, das direkt neben dem Fundament versickert, führt zu Durchfeuchtung der Kelleraußenwand.
Traufbleche: Das Traufblech leitet das Wasser von der Unterspannbahn in die Rinne. Fehlt es oder ist es falsch eingebaut, tropft Wasser hinter die Rinne und durchfeuchtet die Traufkonstruktion.
Notüberläufe: Bei Flachdächern und innenliegenden Rinnen sind Notüberläufe nach DIN 1986-100 vorgeschrieben. Sie verhindern bei Starkregen den Rückstau und den möglichen Einsturz der Dachkonstruktion durch Wasserlast. Ob die Dimensionierung ausreicht, muss rechnerisch nachgewiesen werden.
Details zu allen Leistungen rund um die baubegleitende Qualitätssicherung finden Sie auf unserer Leistungsseite.
Besonderheiten bei Dachabnahmen für Fürth
Fürths Bausubstanz bringt bei Dachabnahmen spezifische Herausforderungen mit sich. Die Stadt blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört, sodass viele Dachstühle aus der Gründerzeit und dem frühen 20. Jahrhundert stammen.
In den Wohnvierteln der Südstadt und entlang der Hornschuchpromenade tragen repräsentative Sandsteingebäude aus der Zeit zwischen 1883 und 1904 oft noch die originale Dachkonstruktion. Bei einer Dachsanierung dieser Gebäude müssen die Auflagen des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. Die Dachform, die Eindeckungsart und teilweise sogar die Ziegelfarbe sind vorgegeben.
Bei Altbauten in der Fürther Innenstadt und in Burgfarrnbach treffen Sanierer auf Holzkonstruktionen, die über Jahrzehnte Feuchtigkeit und Schädlingsbefall ausgesetzt waren. Der Zustand der Sparren, Pfetten und Kehlbalken muss vor jeder Neueindeckung geprüft werden. Wird ein neues Dach auf einen geschädigten Dachstuhl gelegt, sind Folgeschäden programmiert.
In der Nachkriegssiedlung Hardhöhe stehen zahlreiche Gebäude mit Flachdächern aus den 1960er und 1970er Jahren. Diese Flachdächer haben häufig Abdichtungsprobleme: Die ursprüngliche Bitumenbahn ist nach 50 Jahren spröde, Anschlüsse an Attiken und Durchdringungen sind undicht. Eine fachgerechte Prüfung bei der Bauabnahme ist hier besonders wichtig.
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Häufige Fragen
Muss ich als Bauherr bei der Dachabnahme auf dem Dach stehen?
Nein, die Dachfläche von außen zu begehen erfordert Absturzsicherung und ist für Laien gefährlich. Ein Sachverständiger kann die Eindeckung alternativ mit einem Fernglas, einer Drohne oder vom Gerüst aus beurteilen. Die Prüfung der Dämmung, Dampfbremse und Anschlüsse erfolgt von innen im Dachraum.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Dachabnahme?
Idealerweise in zwei Schritten: Erstens nach Einbau der Dämmung und Dampfbremse, bevor die Innenverkleidung angebracht wird. Zweitens nach Fertigstellung der Eindeckung und Klempnerarbeiten. Danach sind viele Details nicht mehr zugänglich.
Welche Mängel treten am häufigsten auf?
Unzureichende Verklebung der Dampfbremse, fehlende Sturmklammern, mangelhafte Anschlüsse an Dachfenstern und Schornsteinen sowie falsch dimensionierte Entwässerung. Diese Punkte werden bei termingetriebenem Bauablauf besonders oft vernachlässigt.
Was passiert, wenn ich die Dachabnahme ohne Sachverständigen mache?
Sie übernehmen das Gewerk als mängelfrei. Spätere Schadensfälle müssen Sie dann als verdeckte Mängel nachweisen, was aufwendig und teuer ist. Mit einer dokumentierten Abnahme durch einen Sachverständigen haben Sie eine belastbare Grundlage.
Haftet der Dachdecker nach der Abnahme noch für Mängel?
Ja, die gesetzliche Gewährleistungsfrist beträgt bei Bauleistungen fünf Jahre ab Abnahme. Allerdings müssen Sie den Mangel nachweisen und beweisen, dass er zum Zeitpunkt der Abnahme bereits bestand. Eine professionelle Dokumentation bei der Abnahme erleichtert diesen Nachweis erheblich.
Kann ich die Dachabnahme auch bei einer Dachsanierung machen lassen?
Ja, und das ist besonders empfehlenswert. Bei Dachsanierungen werden oft erst während der Arbeiten Schäden am Dachstuhl entdeckt, die in die Kalkulation einbezogen werden müssen. Ein Sachverständiger prüft, ob die Sanierung fachgerecht durchgeführt wurde.
Was ist der Unterschied zwischen Dachabnahme und Bauabnahme?
Die Dachabnahme ist eine Teilabnahme, die sich nur auf das Dachgewerk bezieht. Die Bauabnahme umfasst das gesamte Gebäude. Bei komplexen Bauvorhaben empfehlen sich mehrere Teilabnahmen für einzelne Gewerke, darunter Rohbau, Dach, Haustechnik und Innenausbau.
Brauche ich bei einem Flachdach andere Prüfpunkte?
Ja. Bei Flachdächern stehen Abdichtung, Gefälleausbildung, Notüberläufe und Attika-Anschlüsse im Vordergrund. Dachziegel und Sturmklammern entfallen, dafür sind Dampfsperre und Wärmedämmung besonders kritisch, weil Flachdächer anfälliger für Kondensatprobleme sind.
Sie planen eine Dachsanierung oder einen Neubau für Fürth und möchten die Dachabnahme professionell begleiten lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger prüft Ihr Dach systematisch und dokumentiert alle Befunde.