DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Fürth
Hauskauf & Immobilienbewertung 17.03.2026 · Jörg Aichinger
Altbau kaufen: Die 10 wichtigsten Prüfpunkte

Das Wichtigste in Kürze:

  • Altbauten erfordern eine systematische Prüfung von Dach bis Keller, weil sich Mängel über Jahrzehnte aufbauen und gegenseitig verstärken
  • Fürth besitzt die höchste Denkmaldichte in Bayern, rund 90 Prozent der historischen Bausubstanz blieben im Zweiten Weltkrieg erhalten
  • Holzbalkendecken, Sandsteinfassaden und fehlende Kellerabdichtung sind die häufigsten Schwachstellen bei Fürther Gründerzeitbauten
  • Nicht jeder Mangel ist ein Ausschlusskriterium, entscheidend ist die realistische Einschätzung der Sanierungskosten
  • Ein DEKRA-zertifizierter Sachverständiger erkennt verdeckte Schäden, die Laien nicht sehen können

Wer einen Altbau kaufen möchte, kauft Geschichte, Charakter und oft auch Sanierungsbedarf. Hohe Decken, Stuck und großzügige Grundrisse machen den Reiz aus. Doch hinter der Fassade können sich Schäden verbergen, die beim Rundgang nicht auffallen. Eine systematische Prüfung vom Dach bis zum Keller schützt vor teuren Überraschungen. Die folgenden 10 Prüfpunkte zeigen, worauf es ankommt, und wo Sie als Laie an Grenzen stoßen.

Prüfpunkt 1: Wie beurteilt man den Zustand des Dachs?

Das Dach ist die erste Verteidigungslinie eines Gebäudes gegen Witterung. Ist es undicht, folgen Wasserschäden an Dachstuhl, Decken und Wänden.

Bitten Sie darum, den Dachboden betreten zu dürfen. Achten Sie auf Lichteinfall durch die Eindeckung, dunkle Verfärbungen und weiche Stellen an den Sparren sowie auf modrigen Geruch. Fragen Sie nach dem Alter der Dachziegel: Tonziegel halten 60 bis 80 Jahre, Betondachsteine 30 bis 40 Jahre. Bei Fürther Gründerzeitbauten liegt das Originaldach oft über 100 Jahre zurück. Wenn seither nicht neu eingedeckt wurde, steht diese Maßnahme absehbar an.

Prüfen Sie auch die Dachentwässerung. Verstopfte oder durchgerostete Regenrinnen leiten Wasser nicht ab, sondern an die Fassade, wo es weitere Schäden verursacht.

Prüfpunkt 2: Was verrät die Fassade über den Gebäudezustand?

Betrachten Sie die Fassade von der gegenüberliegenden Straßenseite. Schiefe Fensterlinien, ausgebeulte Wandflächen und durchgehende Risse deuten auf Setzungen oder statische Probleme hin.

Bei den für Fürth typischen Sandsteinfassaden aus der Gründerzeit zeigen sich spezifische Schadensbilder: Absandungen, bei denen die Oberfläche krümelig wird, Frostabplatzungen nach eindringendem Wasser und dunkle Verfärbungen durch aufsteigende Feuchtigkeit. Entlang der Hornschuchpromenade und in der Südstadt finden sich repräsentative Fassaden mit Stuckelementen und Erkern. Gerade diese Schmuckelemente sind anfällig für Witterungsschäden und müssen bei einer Sanierung aufwendig restauriert werden.

Details zur Erkennung und Bewertung von Fassadenschäden finden Sie auf unserer Seite zu Bauschäden.

Prüfpunkt 3: Sind die Geschossdecken tragfähig?

Die Geschossdecken gehören zu den kritischsten Bauteilen im Altbau. In Gründerzeitgebäuden für Fürth sind sie fast ausnahmslos als Holzbalkendecken ausgeführt. Diese Bauweise hat Charme, bringt aber Risiken mit.

Achten Sie auf durchhängende Deckenbereiche, die Sie erkennen, indem Sie an der Wand entlang über die Decke peilen. Federnde Böden beim Gehen deuten auf geschwächte Balken hin. Wasserflecken an der Deckenunterseite weisen auf aktuelle oder vergangene Feuchteschäden hin, die das Holz geschädigt haben können.

Ein Sachverständiger kann mit einer Bohrwiderstandsmessung den Zustand der Balken prüfen, ohne sie freilegen zu müssen. Das ist besonders dann wichtig, wenn die Decken verkleidet oder abgehängt sind und der Zustand der Holzkonstruktion nicht sichtbar ist.

Mehr zur Hauskaufberatung erfahren Sie auf unserer Fachseite.

Prüfpunkt 4: Gibt es Feuchtigkeit im Keller?

Feuchte Keller sind bei Altbauten die Regel, nicht die Ausnahme. Die Frage ist nicht ob Feuchtigkeit vorhanden ist, sondern wie stark und welche Ursache sie hat.

Nehmen Sie eine Taschenlampe mit und prüfen Sie alle Kellerwände auf feuchte Stellen, Salzausblühungen, abplatzenden Putz und Schimmelflecken. Drücken Sie mit dem Finger gegen den Putz: Fühlt er sich weich an, ist die Durchfeuchtung fortgeschritten.

Fürther Gründerzeitbauten stehen häufig auf Sandstein und Schwemmsand im Rednitz-Pegnitz-Tal. Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit ist dort weit verbreitet, weil die damaligen Bauweisen keine Horizontalsperre gegen aufsteigende Nässe vorsahen. Eine nachträgliche Abdichtung ist machbar, aber kostspielig und muss fachgerecht geplant werden.

Prüfpunkt 5: In welchem Zustand sind die Wasserleitungen?

Die Wasserinstallation gehört zu den Bauteilen, die Sie bei einer Besichtigung nur teilweise beurteilen können. Öffnen Sie alle Wasserhähne und prüfen Sie Druck und Farbe des Wassers. Bräunliches Wasser weist auf korrodierte Stahlrohre hin.

Sichtbare Leitungen im Keller verraten das Material. Bleirohre, erkennbar an ihrer grauen Farbe und weichen Oberfläche, müssen zwingend ausgetauscht werden. Verzinkte Stahlrohre, die in Gebäuden bis etwa 1970 verbaut wurden, haben ebenfalls eine begrenzte Lebensdauer und neigen zu Korrosion von innen.

Fragen Sie nach dem letzten Austausch der Steigleitungen. Wurden sie seit dem Bau nicht erneuert, ist das ein erheblicher Kostenfaktor, der in die Kaufpreisverhandlung einfließen sollte.

Kontaktieren Sie uns für eine fachkundige Einschätzung der Haustechnik.

Prüfpunkt 6: Wie steht es um die Elektroinstallation?

Veraltete Elektrik ist nicht nur unpraktisch, sondern ein Sicherheitsrisiko. Werfen Sie einen Blick in den Sicherungskasten. Alte Schraubsicherungen statt Leitungsschutzschalter, fehlende FI-Schutzschalter und wenige Stromkreise für die gesamte Wohnung deuten auf eine Installation hin, die den heutigen Anforderungen nicht genügt.

Zählen Sie die Steckdosen pro Raum. In Altbauten finden Sie häufig nur eine oder zwei pro Zimmer, was den Alltag mit modernen Geräten unpraktisch macht. Eine Kompletterneuerung der Elektrik, bei der Wände aufgestemmt, neue Leitungen verlegt und anschließend wieder verputzt werden müssen, ist eine der aufwendigsten Sanierungsmaßnahmen im Altbau.

Prüfpunkt 7: Welche Rolle spielen Fenster und Türen?

Fenster und Türen verraten viel über den Gebäudezustand. Öffnen und schließen Sie jedes Fenster. Klemmt es oder schließt es nicht bündig, kann das auf Setzungen im Mauerwerk hindeuten.

Prüfen Sie die Verglasung: Einfachverglasung bedeutet hohe Wärmeverluste und absehbaren Austausch. Beschlagene Scheiben bei Isolierverglasung zeigen, dass die Dichtung defekt ist. Bei denkmalgeschützten Gebäuden, von denen Fürth über 2.000 besitzt, gelten für den Fenstertausch Auflagen der Denkmalschutzbehörde. Kastenfenster müssen beispielsweise oft erhalten oder nachgebaut werden, was teurer ist als ein Standardaustausch.

Historische Haustüren aus Holz mit Schnitzereien oder Glasfüllungen gehören zum Charakter eines Gründerzeitbaus. Ihre Sanierung lohnt sich, ist aber Handwerksarbeit und entsprechend preisintensiv.

Prüfpunkt 8: Gibt es Hinweise auf Schädlingsbefall oder Schadstoffe?

In Altbauten können Schadstoffe vorkommen, die bei Neubauten kein Thema mehr sind. Asbest findet sich in Fußbodenbelägen (Floor-Flex-Platten), in Rohrummantelungen der Heizung und in Eternitplatten an Fassade oder Dach. Holzschutzmittel wie PCP oder Lindan wurden bis in die 1980er Jahre in Dachstühlen verwendet und können die Raumluft belasten.

Holzschädlinge sind ein weiteres Thema, besonders bei Holzbalkendecken und im Dachstuhl. Kleine Ausfluglöcher im Holz, feines Bohrmehl auf dem Boden und hohle Stellen beim Klopfen deuten auf aktiven oder vergangenen Befall hin. Ein Sachverständiger kann den Befallsgrad einschätzen und beurteilen, ob eine Behandlung oder ein Austausch nötig ist.

Auf unserer Seite zur Bauthermografie erfahren Sie, wie verdeckte Mängel mit modernen Methoden sichtbar gemacht werden.

Prüfpunkt 9: Wie ist die Heizung zu bewerten?

Notieren Sie Hersteller, Baujahr und Brennstoff der Heizanlage. Eine Heizung, die älter als 20 Jahre ist, steht in den meisten Fällen vor dem Austausch. Lassen Sie die Heizung einschalten und prüfen Sie, ob alle Heizkörper gleichmäßig warm werden. Glucksende Geräusche in den Leitungen deuten auf Luft oder Schlamm im System hin.

Bei Fürther Altbauten finden sich gelegentlich noch Nachtspeicherheizungen oder Einzelöfen. Diese Systeme sind unwirtschaftlich und sollten bei der Kaufpreisberechnung als Austauschposten einkalkuliert werden. Prüfen Sie auch den Schornstein: Ist er für die aktuelle Heizungsart zugelassen? Bei einem Wechsel des Brennstoffs kann eine Schornsteinsanierung nötig werden.

Prüfpunkt 10: Was sagen Risse in Wänden und Decken aus?

Nicht jeder Riss ist ein Alarmsignal, aber die Position, Richtung und Breite verraten viel über die Ursache.

Haarrisse im Putz (unter 0,2 mm) sind meist harmlose Schwindrisse. Diagonale Risse über Fenster- oder Türstürzen deuten auf Setzungen hin. Horizontale Risse entlang der Geschossdecken können statische Ursachen haben. Treppenrisse, die treppenförmig dem Fugenverlauf folgen, weisen auf Bewegungen im Mauerwerk hin.

Ab einer Rissbreite von 2 mm sollte ein Sachverständiger die Ursache klären. Werden Risse breiter, lohnt sich eine Rissüberwachung mit Gipsmarken über mehrere Monate. Bei Altbauten für Fürth, die auf Schwemmsand stehen, können Setzungen auch nach über hundert Jahren noch auftreten, etwa wenn sich der Grundwasserspiegel verändert oder Nachbarbebauungen den Baugrund beeinflussen.

Weitere Informationen zur Bewertung von Rissen finden Sie auf unserer Seite zu Baumängeln.

Wann lohnt sich ein Sachverständiger beim Altbaukauf?

Die 10 Prüfpunkte helfen Ihnen, bei einer Besichtigung die richtigen Fragen zu stellen und offensichtliche Mängel zu erkennen. Doch viele Schäden liegen hinter Verkleidungen, unter Böden oder in nicht zugänglichen Hohlräumen. Ein DEKRA-zertifizierter Sachverständiger verfügt über Messgeräte und Erfahrung, um auch verdeckte Mängel aufzuspüren.

Besonders bei Gebäuden aus der Gründerzeit, wie sie für Fürth charakteristisch sind, lohnt sich die professionelle Prüfung. Die Bausubstanz ist über 100 Jahre alt, wurde mehrfach umgebaut und repariert. Ohne Fachkenntnis ist kaum einzuschätzen, welche Maßnahmen dringend sind und welche noch warten können.

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Häufige Fragen

Kann ich alle 10 Prüfpunkte selbst beurteilen?

Die Punkte geben Ihnen eine solide Grundlage für die Erstbesichtigung. Sie erkennen damit offensichtliche Mängel und wissen, welche Fragen Sie stellen müssen. Für eine belastbare Bewertung, besonders bei verdeckten Schäden, statischen Fragen und Schadstoffverdacht, brauchen Sie einen Sachverständigen.

Wie lange dauert eine professionelle Altbauprüfung?

Rechnen Sie mit zwei bis drei Stunden vor Ort, je nach Gebäudegröße und Zugänglichkeit aller Bereiche. Keller und Dachboden müssen begehbar sein. Die schriftliche Auswertung erfolgt im Anschluss.

Sind alle Altbaumängel Verhandlungssache?

Ja. Jeder dokumentierte Mangel ist ein sachliches Argument für die Kaufpreisverhandlung. Entscheidend ist eine realistische Kostenschätzung für die nötigen Sanierungsmaßnahmen. Ein Gutachten liefert dafür die Grundlage.

Was ist bei denkmalgeschützten Altbauten für Fürth anders?

Bei denkmalgeschützten Gebäuden sind Veränderungen an Fassade, Fenstern und Dach genehmigungspflichtig. Das kann Sanierungskosten erhöhen, bietet aber steuerliche Vorteile. Klären Sie vor dem Kauf mit der Denkmalschutzbehörde, welche Maßnahmen zulässig sind.

Ab welchem Baujahr spricht man von einem Altbau?

Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht. Im Immobilienmarkt gelten Gebäude, die vor 1949 errichtet wurden, als Altbauten. In Fürth betrifft das einen großen Teil des Bestands, da die Stadt im Krieg weitgehend unbeschädigt blieb und der Gebäudebestand aus der Gründerzeit bis heute das Stadtbild prägt.

Welche Sanierungsmaßnahmen sind beim Altbau am teuersten?

Die kostspieligsten Maßnahmen betreffen Dachsanierung, Fassadensanierung bei Sandstein, den Austausch sämtlicher Leitungen (Wasser, Abwasser, Elektrik) und die nachträgliche Kellerabdichtung. Jede dieser Maßnahmen kann fünfstellige Beträge erreichen. Ein Sachverständiger hilft, die Dringlichkeit einzuordnen.

Lohnt sich ein Altbaukauf trotz hohem Sanierungsbedarf?

Das hängt vom Verhältnis zwischen Kaufpreis und Sanierungskosten ab. Altbauten in guter Lage mit solider Grundsubstanz können trotz Sanierungsbedarf eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung sein. Die Voraussetzung ist eine realistische Kostenkalkulation vor dem Kauf.

Kann ich einen Altbau stufenweise sanieren?

Ja, viele Sanierungsmaßnahmen lassen sich zeitlich staffeln. Manche Maßnahmen, etwa eine Dacherneuerung bei akuter Undichtigkeit, dulden keinen Aufschub. Andere, wie der Austausch der Fenster oder eine Fassadenrenovierung, können über mehrere Jahre verteilt werden. Ein Sachverständiger erstellt auf Wunsch einen Sanierungsfahrplan mit Prioritäten. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite zur Sanierungsberatung.

Sie möchten einen Altbau für Fürth kaufen und wünschen eine fachkundige Prüfung? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger berät Sie unverbindlich.

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